UK-EXPORTS: 10 x COMEDY AUS IRLAND

Das Vereinigte Königreich besteht aus den vier Landesteilen England, Schottland, Wales und Nordirland. Was den Export des britischen Humors betrifft haben sich die Engländer allerdings mehr hervorgetan, als die anderen, obwohl auch sie durchaus interessantes Material zu bieten haben. Ähnlich wie in Österreich, Deutschland und der Schweiz spielen dabei regionale Kulturunterschiede, sowie die nicht immer leicht zu verstehenden Dialekte eine große Rolle. Heute wollen wir uns Comedyexporte aus Irland ansehen, wobei wir sowohl Beiträge aus Nordirland als auch dem Land Irland zeigen möchten, um die Unterschiede zu den Engländern und Schotten - die wir zuletzt vorgestellt haben, siehe hier - noch deutlicher herauszuarbeiten. An dieser Stelle wollen wir uns herzlich bei Axel Beer und seiner bezaubernden Gattin Alice bedanken, die uns bei den Recherchen von enormer Hilfe waren!





Father Ted



Father Ted gilt als eine, wenn nicht gar DIE beliebteste Sitcom der Iren. Sie wurde in den 1990ern von Graham Linehan und Arthur Mathews geschrieben und zwischen 1995 - 98 auf Channel 4 ausgestrahlt. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine Gruppe katholischer Priester die wegen diverser Vergehen auf die entlegene westirische Insel Craggy Island verbannt wurden, auf der einige recht merkwürdige Leute leben. Dem titelgebenden Father Ted Crilly (Dermot Morgan) wurde vorgeworfen Gelder veruntreut zu haben. Der vertrottelte, aber liebenswerte Father Dougal McGuire (Ardal O'Hanlon) soll für einen ominösen Vorfall verantwortlich gewesen sein, bei dem Nonnen zu schaden kamen. Und der alternde Father Jack Hackett (Frank Kelly) spricht sehr dem Alkohol zu, was seiner zunehmenden Altersbosheit nur entgegenkommt. Das Trio wird von der aufopfernden Haushälterin Mrs. Doyle (Paulin McLynn) mit mehr Tee und Plätzchen versorgt als ihnen Lieb ist. Die Serie enthält sowohl satirische Elemente die Bezug auf die Kirche und die irische Kultur nehmen, persifliert aber auch popkulturelle Phänomene seiner Zeit, wie den Film Speed oder den Konflikt zwischen den Britpop-Bands Blur und Oasis.






Mrs. Brown's Boys



Seit 2011 produziert BBC Scotland in Zusammenarbeit mit dem irischen Sender RTÉ, die von Brendan O'Carroll kreierte, vor einem Livepublikum aufgezeichnete Sitcom Mrs. Brown's Boys. O'Carroll selbst spielt darin die alte Mrs. Brown, eine irische Matriarchin die sich unentwegt um ihre vielen, erwachsen gewordenen Kinder sorgt. Immer wieder mischt sie sich in deren Angelegenheiten und sorgt dabei für ein heilloses Durcheinander. Die Serie zeichnet sich durch ihren sehr abenteuerlichen Humor aus. O'Carroll sprengt unentwegt die vierte Wand und bringt sogar seine Co-Stars mit seinen improvisierten Späßen aus der Fassung. Eine Sendung für die ganze Familie, mit viel Herz und Hirn, die es verdient hätte über die britischen Grenzen hinaus exportiert zu werden, wenn auch fraglich ist, ob sie in anderen Sprachen noch funktionieren würde. Denn der irische Stil macht auch viel von ihrem Charme aus.

 




Dylan Moran



Vielen als Bernhard Black in der Erfolgssitcom Black Books bekannt, steht Dylan Moran (* 1971) auch als Solo-Comedian seinen Mann. Er arbeitete mit Simon Pegg zusammen an Filmen wie Shaun of the Dead oder Run Fatboy Run. Er begann seine Karriere als Comedian in seinen frühen 20ern im Dublin's Comedy Cellar, wo er schon Ardal O'Hanlon (siehe Father Ted) und andere Stand Ups mit Begeisterung verfolgte. Er gewann zwei Preise beim berühmten Edinburgh Festival und ging 1997 mit seinem ersten großen Programm Gurgling For Money auf UK-Tour. In der Zeit schrieb er auch eine wöchentliche Kolumne in den Irish Times. Es folgten erste Auftritte in Film und Fernsehen, darunter eine kleine Rolle in Notting Hill. Moran gibt sich nicht selten in der Rolle des geistig-umnachteten Querulanten, dem entgegen steht sein breites Vokabular und sein durchaus scharfer Verstand.






Dave Allen



David Tynan O'Mahony (1936 - 2005) alias Dave Allen war ein irischer Komiker, der unter anderem für die BBC und ITV arbeitete. Er durchlief eine streng katholische Erziehung, die er mitunter in seinen bitterbösen Sketchen verarbeitete. Sein Spott auf die Kirche und seine rüde Sprache sorgten nicht selten für Kontroversen. Er galt aber durchaus als charmant, umgänglich und liebenswürdig, und erfreute sich auch international höchster Beliebtheit. Ursprünglich in die Fussstapfen seines Vaters folgend der für die Irish Times arbeitete, zog es ihn mit 19 in die Fleetstreet nach London. Er trat als Comedian in Stripklubs, Nachtklubs und kleinen Theatern auf und hielt sich auch mit anderen Jobs über Wasser, ehe er 1959 seinen ersten Fernsehauftritt in der BBC-Talentshow New Faces hatte, die seine Karriere langsam in Schwung brachte. 1963 bekam er seine erste große Show im australischen Fernsehen, die nach sechs Monaten beinahe zu Ende gewesen wäre, weil er seinem Produzenten auf die Forderung einer Werbeunterbrechung, die ein interessantes Interview mit Peter Cook und Dudley Moore unterbrochen hätte, zurief er solle weggehen und sich einen runterholen. Allen's enorme Beliebtheit verhinderte aber das Schlimmste. Allen starb 2005 überraschend an akutem Herzversagen. Adam Sandler nannte ihn 2017 bei einem Interview mit Howard Stern als einer seiner frühesten Einflüsse als Comedian.


 




Spike Milligan



Die Monty Pythons haben viele Comedians auf der ganzen Welt inspiriert. Doch legte man eine Liste jener Comedians an welche die Pythons inspirierten - was wir übrigens hier schon getan haben - käme man an Spike Milligan nicht vorbei. Milligan, Sohn eines irischen Soldaten und einer englischen Mutter, wurde 1918 in Indien geboren und wuchs dort auf, bis er mit 12 nach London zog. Er entdeckte für sich den Jazz und trat selbst während seiner Auslandseinsätze im Zweiten Weltkrieg als Musiker und Comedian auf, um die Truppen zu unterhalten. Nach dem Krieg produzierte er an der Seite von Peter Sellers und Harry Secombe die absurde Hörspielreihe The Goon Show, die ein großer Erfolg war. Anschließend versuchte er sich auch als Poet und schrieb andere Sorten an Literatur. Zwischen 1969 - 82 produzierte er die Q-Serie, eine Sketchshow mit surreal-absurdem Charakter die großen Einfluss auf spätere Comedians ausübte, aber wegen einigen Kontroversen nicht denselben Kultstatus erreichte wie beispielsweise der Flying Circus.





Aisling Bea



Aisling Clíodhnadh O'Sullivan alias Aisling Bea (* 1984) ist eine irische Komikerin, Schauspielerin und Autorin die sowohl durch ihre frechen Stand Ups, als auch Produktionen wie Living with yourself oder This Way Up zu einem bekannten britischen Star geworden ist. Sie ist die Großnichte der irischen Dramatikerin Siobhán Ní Shúilleabháin, Musiklegende Liam O'Flynn war ein Freund der Familie. Ihr Vater war ein Tierarzt für Pferde der sich das Leben nahm als Aisling noch sehr jung war. Sie nahm ihm zu Ehren den Namen Bea an, eine Kurzform seines Namens. Ihre Mutter Helen war früher professioneller Jockey gewesen, generell herrschte in der Familie großes Interesse am Pferdesport, Aisling interessierte sich aber mehr für die Bühne. Schon in der Schulzeit spielte sie in einer kleinen Comedy-Gruppe mit, ehe sie als Erwachsene an die London Academy of Music and Dramatic Art (LAMDA) wechselte. Später überzeugte sie das Publikum am Edinburgh Festival, wurde zu einem regelmäßigen Gast in den Panelshows QI und Insert Name Here, bevor sie mit Auftritten in diversen TV-Produktionen so richtig durchstartete. 





Dara Ó Briain



Geboren am 4. Februar 1972 in der irischen Küstenstadt Bray mauserte sich Dara Ó Briain von einem Studenten der Mathematik und Theoretischen Physik am University College Dublin (UCD) zu einem gefeierten britischen Stand Up-Comedian und TV-Moderator. 1994 begann er beim irischen Fernsehsender RTÉ zu arbeiten, wo er sich des Kinderprogramms annahm, während er parallel dazu seine ersten Comedyauftritte in den Clubs absolvierte. Dem folgten die obligaten Gigs auf Festivals, die zu ersten Touren rund um die Welt führten. Ó Briain moderierte zudem einige Panelshows wie Mock the Week, The Panel oder The Apprentice: You're Fired






Deirdre O'Kane



Geboren am 25. März 1968 in der irischen Industriestadt Drogheda. Eine weitere Stand Up-Begabung der grünen Insel die mit ihrem großen Talent überzeugte. 1996 schaffte sie es ins Finale des jährlichen BBC New Comedy Award, seitdem macht sie Bühne, Film und Fernsehen unsicher. Sie spielte die Rolle von Noeleen in John Crowley's Black Comedy-Krimi Intermission (2003) und die Hauptrolle in Stephen Bradley's Filmbiografie Noble (2014) über die Kinderrechtsaktivistin Christina Noble. Im Fernsehen war sie unter anderem an der Seite von Chris O'Dowd (The IT-Crowd) in der Serie Moone Boy zu sehen.





Foil Arms and Hog



2008 gründeten die drei irischen Comedians Sean Finegan (Foil), Conor McKenna (Arms) und Sean Flanagan (Hog) im Dramaklub des University College Dublin die Gruppe Foil Arms and Hog, Seitdem konnte man ihre Sketche auf diversen Bühnen, in Radio, TV und Online verfolgen. Zu ihren bekanntesten Nummern zählen When Irish People Can't Speak Irish, An Englishman Plays Risk, WTF is Brexit und How to Speak Dublin.





David O'Doherty



David O'Doherty (* 1975) tanzt gleich auf mehreren Hochzeiten: Er ist Comedian, Schauspieler, Musiker, Buchautor - für Erwachsene und Kinder - sowie Stückeschreiber für's Theater. Der Sohn des renommierten Jazzpianisten Jim Doherty beschreibt sich selbst als gescheiterter Jazzmusiker, der versucht etwas aus seinem Leben zu machen. Dabei erweist er sich als hochtalentierter, phänomenal-witziger Alleinunterhalter, dem man viel mehr Aufmerksamkeit zuteil werden sollte als es bisher der Fall ist. Auch wenn er bereits eine solide Karriere im englischsprachigen Raum vorzuweisen hat. 


#FEEDBACK

von Peter.W. 24. Februar 2026
2019 wurde auf 4chan dazu aufgerufen Fotos zu posten, die folgenden Kriterien entsprechen sollten: "disquieting images that just feel 'off'" Am 18. Mai reichte ein anonymer User das Foto eines unwirtlichen gelben Korridors ein, das bereits seit mindestens 2011 im Netz kursierte. Dieses wurde am darauffolgenden Tag von einem anonymen User um den Namen Backrooms und folgende Creepypasta ergänzt: If you're not careful and you noclip out of reality in the wrong areas, you'll end up in the Backrooms, where it's nothing but the stink of old moist carpet, the madness of mono-yellow, the endless background noise of fluorescent lights at maximum hum-buzz, and approximately six hundred million square miles of randomly segmented empty rooms to be trapped in God save you if you hear something wandering around nearby, because it sure as hell has heard you. Von da an ging eine Welle der Inspiration durch's Netz. Fans bauten weiter auf dem Mythos auf, kreierten ihre eigenen Bilder, Geschichten, Spiele und Filme. Diverse Internethorror-Channels berichteten über das Phänomen und auch wir vom Kollektiv-Magazin stellten die Backrooms im August 2021 in unserem Artikel Dark Oddities # 13 vor und kamen sogar auf das zugrundeliegende Konzept der Liminal Spaces zu sprechen. Den wirklichen Durchbruch schafften die Backrooms aber am 1. Februar 2022, als der damals 16-jährige Filmemacher und VFX-Artist Kane Parsons aka Kane Pixels das Erste einer ganzen Reihe von Analog Horror-Videos veröffentlichte: "The Backrooms (Found Footage)". Das raffiniert gemachte Nischenprojekt avancierte rasch zur viralen Sensation. Innerhalb eines Monats wurde es 13 Millionen mal angeklickt. Und die Massen hungerten nach mehr!
von Manuel Waldner 11. Februar 2026
Willkommen zum „INFINITI“-Spezial im Kollektiv Podcast! DI Dr. Norbert Frischauf (CERN, ESA, NASA) und Host Manuel Waldner diskutieren die Space- & Science-Highlights des Jahres 2026 und beantworten eure ZuschauerInnenfragen. Nach 50 Jahren Abwesenheit kehrt die Menschheit mit der Artemis-Mission und europäischer Beteiligung endlich zum Mond zurück, um dort eine dauerhafte Präsenz als Sprungbrett für den Mars aufzubauen. Norbert Frischauf beleuchtet die faszinierende Suche nach Leben auf dem Roten Planeten, wo Methan-Vorkommen und unterirdisches Eis auf noch existierende Mikroben hindeuten könnten. Der Podcast taucht tief in die Welt der Physik ein, von der Suche nach Dunkler Materie am CERN bis hin zur kritischen Einordnung der aktuellen Hypes um Kernfusion und Mega-Raketen wie dem Starship. Auch die Grenzen der Künstlichen Intelligenz in der Forschung und die ethischen Risiken von Geoengineering werden schonungslos analysiert. Abschließend gibt es einen Ausblick auf 2026, wo neue Super-Teleskope wie das ELT und James Webb potenziell erste echte Biosignaturen auf fremden Welten entdecken könnten. 01:12 - Rückkehr zum Mond: Das europäische Servicemodul und das neue Artemis-Raumschiff 02:13 - Artemis vs. Apollo: Warum wir nach 50 Jahren wieder fliegen und was anders ist 05:05 - Wasser am Mond: Warum die Pole und der "Halo Orbit" entscheidend sind 07:58 - Sprungbrett Mars: Nuklearantriebe und der Mond als Weltraumbahnhof 11:04 - Der Mars-Rover: Technische Herausforderungen bei -80 Grad Celsius 14:10 - Leben auf dem Mars: Methan als starkes Indiz für unterirdische Mikroben 17:39 - Mega-Raketen: Sinkende Kosten durch Starship und die Grenzen der Physik 22:42 - Dunkle Materie: Was uns Gravitationslinsen und das Euklid-Teleskop verraten 25:28 - Blick ins CERN: Wie Teilchenbeschleuniger den Urknall simulieren 31:44 - KI in der Wissenschaft: Warum Klimamodelle keine "starke KI" sind 37:59 - Robotergesetze: Isaac Asimovs Regeln und die Grenzen moderner Algorithmen 39:20 - CRISPR & Genetik: Warum der medizinische Durchbruch noch Zeit braucht 41:59 - Kernfusion erklärt: Der Unterschied zwischen Laser-Fusion und Tokamak 48:44 - Der neue Super-Collider (FCC): Warum wir eine 20-Milliarden-Maschine brauchen 55:52 - Ausblick 2026: Das European Extremely Large Telescope und die Suche nach einer zweiten Erde Ihr wollt auch eine Antwort vom Profi? Schickt eure Fragen an science@kollektiv-magazin.com . Die spannendsten Einsendungen nehmen wir in die nächste Episode auf! 👉 Vergesst nicht zu abonnieren! Werdet Teil des Kollektivs und verpasst keine unserer Touren, Talks und Eskapaden mehr.
von Manuel Waldner 30. Januar 2026
Die Nächte in Reykjavík flüstern von Maschinen und Träumen. Ein Echo hallt durch die Dunkelheit: "Afrit... Afritvél..." Die "Kopiermaschine" surrt unheilvoll, bereit, mehr als nur Tinte zu übertragen. Sie saugt Sehnsüchte auf, projiziert Bilder auf eine Leinwand der Besessenheit. Eine junge Frau steht im Scheinwerferlicht ihrer Fantasie, eine Königin auf einer Bühne, die nur in ihrem Kopf existiert. Doch der Glanz trügt. Hinter der polierten Fassade brodelt eine dunkle Wahrheit. Eine unheilvolle Entdeckung in der Stille des Kopierraums. Ein Stil kopiert bis ins kleinste Detail – und mit ihm ein Schatten des Endes. Angst kriecht unter die Haut, eine unstillbare Gier nach etwas, das nicht ihr Eigen ist. Warum diese tiefe Traurigkeit im Herzen, wenn die Oberfläche doch so strahlend ist? Sie tanzt auf einem schmalen Grat zwischen Märchen und Realität, unantastbar in ihrer eigenen Welt. Der Kopf hoch erhoben, ein flüchtiger Stern am Nachthimmel. Doch das "La-La-Land", in dem sie lebt, droht zu zerbrechen, ihre Handlungen hinterlassen Spuren der Zerstörung. Ist dieser gefährliche Pfad wirklich der Weg in die Freiheit? Die Maschine flüstert weiter, verlangt nach mehr. Träume sollen kopiert, Strahlen fixiert werden. Nicht nur der Wunsch nach dem Rampenlicht, sondern das Verlangen, das innerste Wesen zu duplizieren – "Afrit, Afritvél, viltu afrita genið?" Willst du das Gen kopieren? Teure Kleider, ein perfekt gestyltes Haar – eine Rüstung gegen die Welt. Die hasserfüllten Blicke prallen ab an einer Mauer aus Ignoranz. Prada als Schutzschild, während in den Casinos von Las Vegas ein riskantes Spiel mit dem Schicksal getrieben wird. Und dann diese Visionen: Einhörner und Engel, ein Kuss am Abgrund, ein Aufstieg in einen violetten Himmel. Ein flüchtiger Moment der Erlösung, in dem die Freiheit in den Augen glitzert. Doch ist es echt? Oder nur ein weiteres Bild, projiziert von der unheimlichen Maschine? Die "Afritvél" läuft unaufhaltsam weiter, eine Metapher für eine gefährliche Suche nach Identität. Eine Geschichte von Besessenheit, von der trügerischen Verlockung der Nachahmung und dem verzweifelten Wunsch, jemand anderes zu sein. Lausche genau, denn in den elektronischen Beats und dem eindringlichen Gesang verbirgt sich eine dunkle Wahrheit über den Preis der Freiheit und die Zerbrechlichkeit des Selbst. Hier gibt es mehr Informationen zum Musikprojekt: https://www.kollektiv-magazin.com/ai-musikprojekt-dominion-protocol
von Manuel Waldner 30. Januar 2026
Vom Rockprofessor bis zur Ex-Politikerin, vom Hit-Produzenten bis zum Kinder-Entertainer: Wir waren zu Gast bei Reinhart Gabriels „Stammtisch für Kunstschaffende“. Ein Blick hinter die Kulissen einer Szene, die vor allem eines braucht: Echte Begegnung. Es ist keine gewöhnliche Podcast-Folge aus dem Wohnzimmer, wo sonst die Wäsche hängt. Diesmal sind wir mittendrin im Geschehen. Der Ort: Ein Raum voller Geschichte(n). Der Anlass: Der Stammtisch für Kunstschaffende. Hier geht es nicht um bloßes Visitenkarten-Tauschen, sondern um das Überleben und Aufblühen in einer Branche, die so hart wie herzlich sein kann. Das Ziel ist branchen- und generationenübergreifendes Netzwerken, bei dem man sofort weiß, „Wer ist wer“. Gastgeber Reinhart Gabriel hat eine klare Mission: Er schafft Räume für Begegnungen und Weiterbildung, damit Menschen voneinander lernen können. Doch was nehmen Künstlerinnen und Künstler konkret vom Stammtisch für Kunstschaffende mit? Reinhart Gabriel betont, dass es neben Theorie und Honorarnoten vor allem um das „praktische Wissen aus meinen letzten 35 Jahren in diesem Musikbusiness“ geht. Besonders am Herzen liegt ihm dabei die mentale Gesundheit: „Jede Menge Tipps und Tricks, wie man das Ganze ohne Substanzen übersteht. Dieses Business.“ Generationenübergreifender Groove Das Besondere am Stammtisch für Kunstschaffende ist der Mix: Hier trifft der Newcomer auf die Legende. Einer dieser Legendären ist Reinhold Bilgeri. Als Rockprofessor, Filmemacher und Autor hat er fast alles erreicht, doch der Antrieb ist ungebrochen. „Künstlerisch treiben mich meine Ideen, die nach wie vor herumkreisen, in meinem Kopf an“ , erzählt Bilgeri. Für ihn ist die Verbindung der Disziplinen ein Glücksfall: „Ich kann einen Roman schreiben und aus dem Roman ein Drehbuch machen [...] und dann am Schluss hast ein Film da.“. Eine Generation weiter – und doch künstlerisch verbunden – ist seine Tochter Laura Bilgeri . Nach sechs Jahren in Los Angeles hat sie im Lockdown ihre Liebe zur Musik entdeckt. Der Wechsel vom Filmset zur Musikbühne war fließend: „Alles Kreative ist wunderschön. Egal, ob es jetzt an einem Set ist [...] oder im Musikstudio“. Dennoch gibt es Unterschiede in der Nervosität. Auf die Frage, was nervenaufreibender sei – Casting oder Live-Auftritt – antwortet sie klar: „Tatsächlich ein Casting [...] Meistens sind diese Caster halt sehr emotionslos [...] Und bei einem Liveauftritt kriegst du gleich ein Feedback.“ Von der politischen Arena auf die Showbühne Einen der wohl spannendsten Karriere-Twists des Abends verkörpert Eva Glawischnig-Piesczek . Die ehemalige Spitzenpolitikerin ist heute auch musikalisch unterwegs. Hilft die Erfahrung harter politischer Debatten gegen Lampenfieber beim Singen? „Absolut. Also so exponiert zu sein wie in einem Parlament [...] In so einer richtigen Arena, in einer Kampfarena bist. Das ist schon eine Spur härter, als auf einer Musik Bühne zu stehen.“ Privat liebt sie Soul und Aretha Franklin – Musik, bei der man auch mal „Achter machen“ kann mit der Hüfte. Das Geschäft mit der Musik: Streaming, Hits und Rechte Doch Romantik allein zahlt keine Miete. Alexander Kahr , einer der erfolgreichsten Hitproduzenten des Landes, gibt Einblicke in die veränderte Realität der Musikproduktion im Streaming-Zeitalter. Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt: „Dass der Anfang nie länger wie 3 bis 4 Sekunden sein sollte [...] Sonst bist du sofort weg.“ Dennoch bleibt für Kahr eines entscheidend: Die Persönlichkeit. Die ganz Großen, so Kahr, „haben sich selber nie wichtig genommen“. Damit am Ende auch das Geld stimmt, setzen sich Menschen wie Hans Ecker (AKM-Vizepräsident) und Emanuel Treu (AKM-Vorstandsmitglied) ein. Treu, der selbst den Podcast "Der erfolgreiche Musiker hostet", sieht keinen Widerspruch zwischen Funktionärsarbeit und Kreativität. Im Gegenteil: „Ich bin eigentlich überzeugt davon, dass ich ein besseres Vorstandsmitglied bin. Deshalb, weil ich die Branche hautnah erlebe.“. Ehrliches Feedback: Kinder und der Wiener „Schmäh“ Wer wissen will, ob eine Performance wirklich funktioniert, sollte Christoph Hirschler fragen. Der Kinderentertainer und Zauberer stellt sich täglich der härtesten Jury der Welt. „Wenn es ein Kind nicht interessiert, steht auf und geht oder macht irgendwas anderes.“ Diese Schule der direkten Resonanz hilft ihm auch vor erwachsenem Publikum. Ein Publikumsliebling ganz anderer Art ist Adi Hirschal . Er hat das „Strizzi-Lied“ wieder salonfähig gemacht und sieht darin eine Antwort auf den Zeitgeist: „Die Sehnsucht nach einer Unkorrektheit, die völlig abhanden gekommen ist in der letzten Zeit, weil alles so korrekt ist und so geschniegelt.“ . Sein Rat an die Jungen? Nicht im stillen Kämmerlein bleiben, sondern „Offen zu sein.“. Wien: Mehr als Mozart W24-Journalist Gerhard Koller bestätigt beim Stammtisch für Kunstschaffende, dass Wien seinen Ruf als Weltstadt der Musik zu Recht trägt, sich aber wandelt. Es geht nicht mehr nur um Mozart und Falco. „Gerade der neue Austro Pop [...] ist ein ganz starkes Lebenszeichen.“ . Bands wie Wanda oder Bilderbuch zeigen eine „ganz moderne, neue Art des Wienerischen“. Fazit: Vernetzung ist alles Ob Bildregisseur Axel Hofmann , der live Pannen ausbügeln muss, ohne dass der Zuschauer es merkt , oder das Musik-Duo Pilat & Pross , die sich blind verstehen: Der Tenor des Abends ist eindeutig. In einer Zeit, in der vieles digital und oberflächlich läuft, ist der persönliche Kontakt Gold wert. Der Stammtisch für Kunstschaffende von Reinhart Gabriel beweist: Wenn Menschen ihre Geschichten teilen, entstehen nicht nur Netzwerke, sondern Inspiration für die Zukunft. Die Gäste dieser Ausgabe Reinhart Gabriel: Gastgeber & Seminarleiter Reinhold Bilgeri: Rockprofessor & Multimedia-Künstler Laura Bilgeri: Schauspielerin & Musikerin Hans Ecker: AKM-Vizepräsident Emanuel Treu: Songwriter, Podcaster & AKM-Vorstand Eva Glawischnig-Piesczek: Ex-Politikerin & Sängerin Gerhard Koller: Journalist (W24) Axel Hofmann: Bildregisseur Adi Hirschal: Schauspieler & Intendant Christoph Hirschler: Kinderentertainer Alexander Kahr: Musikproduzent Pilat & Pross: Musik-Duo Sonja Plöchl: Model & Bookerin Credits: Redaktion & Schnitt: Manuel Waldner | Kamera: Marcus Schwemin