UK-EXPORTS: 10 x COMEDY AUS SCHOTTLAND

Das Vereinigte Königreich besteht aus den vier Landesteilen England, Schottland, Wales und Nordirland. Was den Export des britischen Humors betrifft haben sich die Engländer allerdings mehr hervorgetan, als die anderen, obwohl auch sie durchaus interessantes Material zu bieten haben. Ähnlich wie in Österreich, Deutschland und der Schweiz spielen dabei regionale Kulturunterschiede, sowie die nicht immer leicht zu verstehenden Dialekte eine große Rolle. Heute wollen wir uns Comedyexporte aus Schottland ansehen, die es sich lohnt näher anzusehen. Darunter Einzelpersonen wie Craig Ferguson oder Michelle Gomez, als auch Gruppen und Programme wie Burnistoun, Naked Video und Absolutely.





The Late Late Show with Craig Ferguson




Craig Ferguson mag mittlerweile einen US-amerikanischen Pass sein Eigen nennen, geboren wurde der Comedian, Autor und Schauspieler aber im schottischen Glasgow. Er wuchs in Cumbernauld, North Lanarkshire auf, spielte Drums für einige Glasgower Punkbands - darunter die Dreamboys zusammen mit dem späteren Doctor Who-Star Peter Capaldi - ehe er 1983 für einige Zeit in Amerika lebte. Zurück in Schottland versuchte er sich recht erfolgreich als Bühnenkomiker, was ihn schließlich auf eine der bekanntesten Comedybühnen des Landes brachte, dem Edinburgh Festival Fringe. Er hatte ein paar kleinere Auftritte in Fernsehproduktionen wie Red Dwarf und One Foot in the Grave, ehe ihm von ITV, Channel 4 und der BBC eigene kleine Shows zum hosten anvertraut wurden. Auch im Musiktheater machte er einige Fortschritte.


Doch erst mit seinem endgültigen Umzug nach Amerika und der Chance ab 2005 die bis dahin von Craig Kilborn moderierte The Late Late Show auf CBS zu übernehmen. In dieser etablierte sich Ferguson als der witzigste Late-Night-Host aller Zeiten, dem es trotz anarcher Exzentrik kein bisschen an Intelligenz, Gefühl und Charme mangelte. Neben dem üblichen Schabernack sprache er auch ernste Themen an, ohne dabei sein Publikum zu befremden, beispielsweise seine Alkoholprobleme in der Vergangenheit, den Tod seiner Eltern oder nationale Tragödien. Den Mangel an einer Showband machte er mit einer Reihe sehr schräger Charaktere wett, wie dem scharfzüngigen Roboterskelett Geoff Peterson, das tanzende Pferd Secretariat, die fluchende Häschenhandpuppe Sid und vielen mehr. Natürlich hatte die Show auch zahlreiche prominente Gäste die einen unglaublichen Spaß in der Show hatten - denkwürdig sind zum Beispiel Gäste wie Robin Williams, Eddie Izzard oder Tom Hanks. 2014 verkündete Craig Ferguson, der in diesem Moment zu einer absoluten Kultfigur geworden war, seinen Rücktritt und übergab die Late Late Show an James Corden, der sie bis heute moderiert. Craig Ferguson ist wohl - ohne Übertreibung - der komischste Schotte aller Zeiten!







Burnistoun


Eine zwischen 2010 - 12 auf BBC Scotland ausgestrahlte Sketchshow von und mit Iain Connell und Robert Florence, produziert von The Comedy Unit, welche seit den 80ern für etliche humorige Produktionen verantwortlich zeigte - davon nicht wenige auf dieser Liste. Burnistoun spielt in einer gleichnamigen fiktiven Stadt nahe Glasgow, in welcher die von Connell, Florence und Konsorten kreierten Charakter zuhause sind und in völlig absurde Situationen verstrickt werden.





Scot Squad



Eine bissige, schottische Parodie auf Realityshow mit Fokus auf der Polizei, wobei sich die gezeigten "Beamten" mehr tollpatschig und dümmlich anstellen als heroisch. Seit 2014 auf BBC Scotland ausgestrahlt, zählt Scot Squad noch zu den bekannteren Programmen, auf die zwei Spinoffs folgten: Scotland Unsolved und Scot Squad: The Chief Does Edinburgh. In jeder Folge werden unterschiedliche Polizeibeamte auf Einsätze begleitet und selbst der Polizeichef, gespielt von Jack Docherty - der in dieser Liste noch zweimal auftauchen wird - lässt es sich nicht nehmen mehrmals ordentlich ins Fettnäpfchen zu treten. Ein kurzweilig amüsantes Programm für Freunde wie Kritiker der Exekutive.







Michelle Gomez




Michelle May Romney Marsham Antonia Gomez, oder kurz: Michelle Gomez, zählt zu den grandiosesten Comedians die Schottland dieser Tage zu bieten hat. Nach ersten Erfolgen in Serien wie The Book Group, Green Wing und Bad Education, gelang ihr der große Durchbruch in der Rolle von Missy in der international erfolgreichen Science-Fiction-Serie Doctor Who. Seitdem ist sie auch verstärkt in amerikanischen Produktionen zu sehen wie Chilling Adventures of Sabrina auf Netflix oder The Flight Attendant auf HBO Max.

Ihr Vater war ursprünglich aus Montserrats und portugiesischer Abstammung. Michelle Gomez zeichnet sich vor allem für ihre charismatische Zwielichtigkeit und einer ordentlichen Portion Wahnsinn aus.


 




Naked Video


1981 sprang Colin Gilbert auf den Zug der gerade populären Alternative Comedy-Welle auf und kreierte für BBC Radio Scotland ein eigenes sketchbasiertes Satireformat namens Naked Radio, welches zehn Jahre lang sehr erfolgreich lief und sich vornehmlich mit Themen in und rund Schottland beschäftigte. Zwischen 1986 - 91 gab es auch einen Ableger für's Fernsehen, mit den Akteuren Ron BainGregor FisherAndy GrayElaine C. SmithTony RoperHelen Lederer und Jonathan Watson, sowie später auch Kate Donnelly und Louise Beattie. Vor allem Gregor Fisher's Charaktere The Baldy Man, ein tollpatschiger Jedermann der sich die letzten verbliebenen Haare über die Glatze kämt - dem deutschsprachigen Publikum vielleicht noch ein Begriff - und Rab C. Nesbitt, ein stereotyper Glasgower Alkoholiker, erwiesen sich als so populär, dass ihnen eigene Spinoffs in Form einer Sketchshow und einer Sitcom gewährt wurden. Zudem erhielt die Radioversion ein Spinoff unter dem Titel Only an Excuse? welches im Fussball-Milieu spielt und ebenfalls seinen Weg ins Fernsehen fand.








Absolutely



Eine seit 1989 für Channel 4 / BBC Radio 4 produzierte Sketchshow mit vornehmlich schottischen Autoren und Darstellern, namentlich Moray Hunter, Jack Docherty, Peter Baikie, Gordon Kennedy, sowie dem Waliser John Sparkes und der einzigen Engländerin Morwenna Banks. Die letzten Beiden glänzten vor allem mit ihrer Darstellung des absurden walischen Paares Denzil and Gwynedd (siehe unten) die ein regelrechtes Kauder-Welsh von sich geben. Insgesamt ist Absolutely gut bestückt mit etlichen albernen, sehr absurden Szenarien und fand mit Mr Don & Mr George sowie Barry Welsh is Coming - in letzteren treten Versionen von Denzi und Gwynedd nochmal in Erscheinung - zwei oft sträflich unterschätzte Ableger.






Mr Don & Mr George



Wie schon erwähnt handelt es sich bei dieser 1993 für Channel 4 produzierten Sitcom um einen Ableger der Sketchshow Absolutely.

Sie sei deshalb noch einmal explizit erwähnt, weil es sich dabei tatsächlich um einen absoluten Geheimtipp handelt, was hervorragende, schottische Sitcoms mit verrückten Ideen, grandioser Umsetzung und zeitlosem Charme betrifft. Es spielen hier Moray Hunter (Mr Don) und - zum dritten und letzten Mal auf dieser Liste - Jack Docherty (Mr George) einen zum schreien komischen Double act der sich immer wieder in bizarre Situationen hineinmanövriert und mit dümmlicher, aber erstaunlich wirksamer Logik aus der Affäre zieht.





Still Game



Zwischen 2002 - 19 stellten Ford Kiernan und Greg Hemphill die beiden Glasgower Pensionisten Jack Jarvis, Esq und Victor McDade in der BBC Scotland-Sitcom Still Game dar. Sie hatten diese Rollen bereits 1999 an der Seite von Gavin Mitchell in einer Bühnenversion, sowie in der Sketchshow Chewin' the Fat verkörpert. Die ersten drei Staffeln der Sitcom liefen vorerst exklusiv in Schottland, doch ihr großer Erfolg führte zur Übernahme durch BBC 2 und damit einer gesamtbritischen Reichweite. Still Game wurde mit Preisen überschüttet. Sean Connery soll sogar Interesse an einer Rolle bekundet haben. Auch Bill Nighy war ein großer Fan und ließ sich durch sie in der Verkörperung seiner Rolle als Davy Jones in der Pirates of the Caribbean-Reihe inspirieren. Für sie ließ sich selbst Craig Ferguson zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder für einen Auftritt in einer britischen Serie hinreißen. Weitere prominente Stargäste waren Robbie Coltrane (aka Hagrid) und Sylvester McCoy (Doctor Who).







Billy Connolly



Sir William Connolly, CBE (* 1942) zählt zu den bekanntesten und untergriffigsten schottischer Comedians und einflussreichsten Stand Up-Comedians im Vereinigten Königreich. Er verdingte sich jahrelang als Schweißer an der Glasgower Werft, bevor er Ende der 1960er eine Karriere als Folksänger mit einer komödiantischen Persona in Angriff nahm. Doch bald war er auch als vollwertiger Komiker auf den Bühnen der britischen Inseln unterwegs. Er war einer der Ersten die sehr freigiebig über Themen wie Masturbation, Blasphemie, den Stuhlgang, Flatulenz, Hämorrhoiden, Sex und häuslicher Gewalt sprachen, schreckte auch nicht vor Profanitäten und den inflationären Gebrauch von Schimpfworten zurück, was eigentlich in der Form erst mit der Alternative Comedy-Welle in den 1980ern so richtig exzessiv betrieben wurde. Man kann also behaupten, er war seiner Zeit voraus.






Ivor Cutler




Isadore Cutler (1923 - 2006) war ein schottischer Poet, Musiker, Maler und Humorist. Er wurde vor allem durch seine Auftritte in BBC Radio bekannt, speziell in John Peel's legendärem Late Night-Programm und später den Sendungen von Andy Kershaw. Er hatte 1967 eine kleine Rolle als Busschaffner Buster Bloodvessel, im Beatles-Film Magical Mystery Tour, sowie Auftritte in Neil Innes' TV-Sendungen. Cutler galt als exzentrisch, seine Werke hatten etwas sehr surrealistisches an sich, zeichneten sich durch bizarre Gegenüberstellungen und einen naiv anmutenden Blick auf Details des Lebens aus. Er zählt zu den großen, oft sträflich übersehenen Charakteren der ohnehin schon von explizit englischen Produktionen in den Schatten gedrängten, schottischen Komödie.


#FEEDBACK

von Peter.W. 24. Februar 2026
2019 wurde auf 4chan dazu aufgerufen Fotos zu posten, die folgenden Kriterien entsprechen sollten: "disquieting images that just feel 'off'" Am 18. Mai reichte ein anonymer User das Foto eines unwirtlichen gelben Korridors ein, das bereits seit mindestens 2011 im Netz kursierte. Dieses wurde am darauffolgenden Tag von einem anonymen User um den Namen Backrooms und folgende Creepypasta ergänzt: If you're not careful and you noclip out of reality in the wrong areas, you'll end up in the Backrooms, where it's nothing but the stink of old moist carpet, the madness of mono-yellow, the endless background noise of fluorescent lights at maximum hum-buzz, and approximately six hundred million square miles of randomly segmented empty rooms to be trapped in God save you if you hear something wandering around nearby, because it sure as hell has heard you. Von da an ging eine Welle der Inspiration durch's Netz. Fans bauten weiter auf dem Mythos auf, kreierten ihre eigenen Bilder, Geschichten, Spiele und Filme. Diverse Internethorror-Channels berichteten über das Phänomen und auch wir vom Kollektiv-Magazin stellten die Backrooms im August 2021 in unserem Artikel Dark Oddities # 13 vor und kamen sogar auf das zugrundeliegende Konzept der Liminal Spaces zu sprechen. Den wirklichen Durchbruch schafften die Backrooms aber am 1. Februar 2022, als der damals 16-jährige Filmemacher und VFX-Artist Kane Parsons aka Kane Pixels das Erste einer ganzen Reihe von Analog Horror-Videos veröffentlichte: "The Backrooms (Found Footage)". Das raffiniert gemachte Nischenprojekt avancierte rasch zur viralen Sensation. Innerhalb eines Monats wurde es 13 Millionen mal angeklickt. Und die Massen hungerten nach mehr!
von Manuel Waldner 11. Februar 2026
Willkommen zum „INFINITI“-Spezial im Kollektiv Podcast! DI Dr. Norbert Frischauf (CERN, ESA, NASA) und Host Manuel Waldner diskutieren die Space- & Science-Highlights des Jahres 2026 und beantworten eure ZuschauerInnenfragen. Nach 50 Jahren Abwesenheit kehrt die Menschheit mit der Artemis-Mission und europäischer Beteiligung endlich zum Mond zurück, um dort eine dauerhafte Präsenz als Sprungbrett für den Mars aufzubauen. Norbert Frischauf beleuchtet die faszinierende Suche nach Leben auf dem Roten Planeten, wo Methan-Vorkommen und unterirdisches Eis auf noch existierende Mikroben hindeuten könnten. Der Podcast taucht tief in die Welt der Physik ein, von der Suche nach Dunkler Materie am CERN bis hin zur kritischen Einordnung der aktuellen Hypes um Kernfusion und Mega-Raketen wie dem Starship. Auch die Grenzen der Künstlichen Intelligenz in der Forschung und die ethischen Risiken von Geoengineering werden schonungslos analysiert. Abschließend gibt es einen Ausblick auf 2026, wo neue Super-Teleskope wie das ELT und James Webb potenziell erste echte Biosignaturen auf fremden Welten entdecken könnten. 01:12 - Rückkehr zum Mond: Das europäische Servicemodul und das neue Artemis-Raumschiff 02:13 - Artemis vs. Apollo: Warum wir nach 50 Jahren wieder fliegen und was anders ist 05:05 - Wasser am Mond: Warum die Pole und der "Halo Orbit" entscheidend sind 07:58 - Sprungbrett Mars: Nuklearantriebe und der Mond als Weltraumbahnhof 11:04 - Der Mars-Rover: Technische Herausforderungen bei -80 Grad Celsius 14:10 - Leben auf dem Mars: Methan als starkes Indiz für unterirdische Mikroben 17:39 - Mega-Raketen: Sinkende Kosten durch Starship und die Grenzen der Physik 22:42 - Dunkle Materie: Was uns Gravitationslinsen und das Euklid-Teleskop verraten 25:28 - Blick ins CERN: Wie Teilchenbeschleuniger den Urknall simulieren 31:44 - KI in der Wissenschaft: Warum Klimamodelle keine "starke KI" sind 37:59 - Robotergesetze: Isaac Asimovs Regeln und die Grenzen moderner Algorithmen 39:20 - CRISPR & Genetik: Warum der medizinische Durchbruch noch Zeit braucht 41:59 - Kernfusion erklärt: Der Unterschied zwischen Laser-Fusion und Tokamak 48:44 - Der neue Super-Collider (FCC): Warum wir eine 20-Milliarden-Maschine brauchen 55:52 - Ausblick 2026: Das European Extremely Large Telescope und die Suche nach einer zweiten Erde Ihr wollt auch eine Antwort vom Profi? Schickt eure Fragen an science@kollektiv-magazin.com . Die spannendsten Einsendungen nehmen wir in die nächste Episode auf! 👉 Vergesst nicht zu abonnieren! Werdet Teil des Kollektivs und verpasst keine unserer Touren, Talks und Eskapaden mehr.
von Manuel Waldner 30. Januar 2026
Die Nächte in Reykjavík flüstern von Maschinen und Träumen. Ein Echo hallt durch die Dunkelheit: "Afrit... Afritvél..." Die "Kopiermaschine" surrt unheilvoll, bereit, mehr als nur Tinte zu übertragen. Sie saugt Sehnsüchte auf, projiziert Bilder auf eine Leinwand der Besessenheit. Eine junge Frau steht im Scheinwerferlicht ihrer Fantasie, eine Königin auf einer Bühne, die nur in ihrem Kopf existiert. Doch der Glanz trügt. Hinter der polierten Fassade brodelt eine dunkle Wahrheit. Eine unheilvolle Entdeckung in der Stille des Kopierraums. Ein Stil kopiert bis ins kleinste Detail – und mit ihm ein Schatten des Endes. Angst kriecht unter die Haut, eine unstillbare Gier nach etwas, das nicht ihr Eigen ist. Warum diese tiefe Traurigkeit im Herzen, wenn die Oberfläche doch so strahlend ist? Sie tanzt auf einem schmalen Grat zwischen Märchen und Realität, unantastbar in ihrer eigenen Welt. Der Kopf hoch erhoben, ein flüchtiger Stern am Nachthimmel. Doch das "La-La-Land", in dem sie lebt, droht zu zerbrechen, ihre Handlungen hinterlassen Spuren der Zerstörung. Ist dieser gefährliche Pfad wirklich der Weg in die Freiheit? Die Maschine flüstert weiter, verlangt nach mehr. Träume sollen kopiert, Strahlen fixiert werden. Nicht nur der Wunsch nach dem Rampenlicht, sondern das Verlangen, das innerste Wesen zu duplizieren – "Afrit, Afritvél, viltu afrita genið?" Willst du das Gen kopieren? Teure Kleider, ein perfekt gestyltes Haar – eine Rüstung gegen die Welt. Die hasserfüllten Blicke prallen ab an einer Mauer aus Ignoranz. Prada als Schutzschild, während in den Casinos von Las Vegas ein riskantes Spiel mit dem Schicksal getrieben wird. Und dann diese Visionen: Einhörner und Engel, ein Kuss am Abgrund, ein Aufstieg in einen violetten Himmel. Ein flüchtiger Moment der Erlösung, in dem die Freiheit in den Augen glitzert. Doch ist es echt? Oder nur ein weiteres Bild, projiziert von der unheimlichen Maschine? Die "Afritvél" läuft unaufhaltsam weiter, eine Metapher für eine gefährliche Suche nach Identität. Eine Geschichte von Besessenheit, von der trügerischen Verlockung der Nachahmung und dem verzweifelten Wunsch, jemand anderes zu sein. Lausche genau, denn in den elektronischen Beats und dem eindringlichen Gesang verbirgt sich eine dunkle Wahrheit über den Preis der Freiheit und die Zerbrechlichkeit des Selbst. Hier gibt es mehr Informationen zum Musikprojekt: https://www.kollektiv-magazin.com/ai-musikprojekt-dominion-protocol
von Manuel Waldner 30. Januar 2026
Vom Rockprofessor bis zur Ex-Politikerin, vom Hit-Produzenten bis zum Kinder-Entertainer: Wir waren zu Gast bei Reinhart Gabriels „Stammtisch für Kunstschaffende“. Ein Blick hinter die Kulissen einer Szene, die vor allem eines braucht: Echte Begegnung. Es ist keine gewöhnliche Podcast-Folge aus dem Wohnzimmer, wo sonst die Wäsche hängt. Diesmal sind wir mittendrin im Geschehen. Der Ort: Ein Raum voller Geschichte(n). Der Anlass: Der Stammtisch für Kunstschaffende. Hier geht es nicht um bloßes Visitenkarten-Tauschen, sondern um das Überleben und Aufblühen in einer Branche, die so hart wie herzlich sein kann. Das Ziel ist branchen- und generationenübergreifendes Netzwerken, bei dem man sofort weiß, „Wer ist wer“. Gastgeber Reinhart Gabriel hat eine klare Mission: Er schafft Räume für Begegnungen und Weiterbildung, damit Menschen voneinander lernen können. Doch was nehmen Künstlerinnen und Künstler konkret vom Stammtisch für Kunstschaffende mit? Reinhart Gabriel betont, dass es neben Theorie und Honorarnoten vor allem um das „praktische Wissen aus meinen letzten 35 Jahren in diesem Musikbusiness“ geht. Besonders am Herzen liegt ihm dabei die mentale Gesundheit: „Jede Menge Tipps und Tricks, wie man das Ganze ohne Substanzen übersteht. Dieses Business.“ Generationenübergreifender Groove Das Besondere am Stammtisch für Kunstschaffende ist der Mix: Hier trifft der Newcomer auf die Legende. Einer dieser Legendären ist Reinhold Bilgeri. Als Rockprofessor, Filmemacher und Autor hat er fast alles erreicht, doch der Antrieb ist ungebrochen. „Künstlerisch treiben mich meine Ideen, die nach wie vor herumkreisen, in meinem Kopf an“ , erzählt Bilgeri. Für ihn ist die Verbindung der Disziplinen ein Glücksfall: „Ich kann einen Roman schreiben und aus dem Roman ein Drehbuch machen [...] und dann am Schluss hast ein Film da.“. Eine Generation weiter – und doch künstlerisch verbunden – ist seine Tochter Laura Bilgeri . Nach sechs Jahren in Los Angeles hat sie im Lockdown ihre Liebe zur Musik entdeckt. Der Wechsel vom Filmset zur Musikbühne war fließend: „Alles Kreative ist wunderschön. Egal, ob es jetzt an einem Set ist [...] oder im Musikstudio“. Dennoch gibt es Unterschiede in der Nervosität. Auf die Frage, was nervenaufreibender sei – Casting oder Live-Auftritt – antwortet sie klar: „Tatsächlich ein Casting [...] Meistens sind diese Caster halt sehr emotionslos [...] Und bei einem Liveauftritt kriegst du gleich ein Feedback.“ Von der politischen Arena auf die Showbühne Einen der wohl spannendsten Karriere-Twists des Abends verkörpert Eva Glawischnig-Piesczek . Die ehemalige Spitzenpolitikerin ist heute auch musikalisch unterwegs. Hilft die Erfahrung harter politischer Debatten gegen Lampenfieber beim Singen? „Absolut. Also so exponiert zu sein wie in einem Parlament [...] In so einer richtigen Arena, in einer Kampfarena bist. Das ist schon eine Spur härter, als auf einer Musik Bühne zu stehen.“ Privat liebt sie Soul und Aretha Franklin – Musik, bei der man auch mal „Achter machen“ kann mit der Hüfte. Das Geschäft mit der Musik: Streaming, Hits und Rechte Doch Romantik allein zahlt keine Miete. Alexander Kahr , einer der erfolgreichsten Hitproduzenten des Landes, gibt Einblicke in die veränderte Realität der Musikproduktion im Streaming-Zeitalter. Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt: „Dass der Anfang nie länger wie 3 bis 4 Sekunden sein sollte [...] Sonst bist du sofort weg.“ Dennoch bleibt für Kahr eines entscheidend: Die Persönlichkeit. Die ganz Großen, so Kahr, „haben sich selber nie wichtig genommen“. Damit am Ende auch das Geld stimmt, setzen sich Menschen wie Hans Ecker (AKM-Vizepräsident) und Emanuel Treu (AKM-Vorstandsmitglied) ein. Treu, der selbst den Podcast "Der erfolgreiche Musiker hostet", sieht keinen Widerspruch zwischen Funktionärsarbeit und Kreativität. Im Gegenteil: „Ich bin eigentlich überzeugt davon, dass ich ein besseres Vorstandsmitglied bin. Deshalb, weil ich die Branche hautnah erlebe.“. Ehrliches Feedback: Kinder und der Wiener „Schmäh“ Wer wissen will, ob eine Performance wirklich funktioniert, sollte Christoph Hirschler fragen. Der Kinderentertainer und Zauberer stellt sich täglich der härtesten Jury der Welt. „Wenn es ein Kind nicht interessiert, steht auf und geht oder macht irgendwas anderes.“ Diese Schule der direkten Resonanz hilft ihm auch vor erwachsenem Publikum. Ein Publikumsliebling ganz anderer Art ist Adi Hirschal . Er hat das „Strizzi-Lied“ wieder salonfähig gemacht und sieht darin eine Antwort auf den Zeitgeist: „Die Sehnsucht nach einer Unkorrektheit, die völlig abhanden gekommen ist in der letzten Zeit, weil alles so korrekt ist und so geschniegelt.“ . Sein Rat an die Jungen? Nicht im stillen Kämmerlein bleiben, sondern „Offen zu sein.“. Wien: Mehr als Mozart W24-Journalist Gerhard Koller bestätigt beim Stammtisch für Kunstschaffende, dass Wien seinen Ruf als Weltstadt der Musik zu Recht trägt, sich aber wandelt. Es geht nicht mehr nur um Mozart und Falco. „Gerade der neue Austro Pop [...] ist ein ganz starkes Lebenszeichen.“ . Bands wie Wanda oder Bilderbuch zeigen eine „ganz moderne, neue Art des Wienerischen“. Fazit: Vernetzung ist alles Ob Bildregisseur Axel Hofmann , der live Pannen ausbügeln muss, ohne dass der Zuschauer es merkt , oder das Musik-Duo Pilat & Pross , die sich blind verstehen: Der Tenor des Abends ist eindeutig. In einer Zeit, in der vieles digital und oberflächlich läuft, ist der persönliche Kontakt Gold wert. Der Stammtisch für Kunstschaffende von Reinhart Gabriel beweist: Wenn Menschen ihre Geschichten teilen, entstehen nicht nur Netzwerke, sondern Inspiration für die Zukunft. Die Gäste dieser Ausgabe Reinhart Gabriel: Gastgeber & Seminarleiter Reinhold Bilgeri: Rockprofessor & Multimedia-Künstler Laura Bilgeri: Schauspielerin & Musikerin Hans Ecker: AKM-Vizepräsident Emanuel Treu: Songwriter, Podcaster & AKM-Vorstand Eva Glawischnig-Piesczek: Ex-Politikerin & Sängerin Gerhard Koller: Journalist (W24) Axel Hofmann: Bildregisseur Adi Hirschal: Schauspieler & Intendant Christoph Hirschler: Kinderentertainer Alexander Kahr: Musikproduzent Pilat & Pross: Musik-Duo Sonja Plöchl: Model & Bookerin Credits: Redaktion & Schnitt: Manuel Waldner | Kamera: Marcus Schwemin