STAMMTISCH FÜR KUNSTSCHAFFENDE

Wenn Hollywood auf Wiener Lied trifft: Ein Abend beim Stammtisch für Kunstschaffende von Reinhart Gabriel

Vom Rockprofessor bis zur Ex-Politikerin, vom Hit-Produzenten bis zum Kinder-Entertainer: Wir waren zu Gast bei Reinhart Gabriels „Stammtisch für Kunstschaffende“. Ein Blick hinter die Kulissen einer Szene, die vor allem eines braucht: Echte Begegnung.

Es ist keine gewöhnliche Podcast-Folge aus dem Wohnzimmer, wo sonst die Wäsche hängt. Diesmal sind wir mittendrin im Geschehen. Der Ort: Ein Raum voller Geschichte(n). Der Anlass: Der Stammtisch für Kunstschaffende. Hier geht es nicht um bloßes Visitenkarten-Tauschen, sondern um das Überleben und Aufblühen in einer Branche, die so hart wie herzlich sein kann. Das Ziel ist branchen- und generationenübergreifendes Netzwerken, bei dem man sofort weiß, „Wer ist wer“.

Gastgeber Reinhart Gabriel hat eine klare Mission: Er schafft Räume für Begegnungen und Weiterbildung, damit Menschen voneinander lernen können. Doch was nehmen Künstlerinnen und Künstler konkret vom Stammtisch für Kunstschaffende mit? Reinhart Gabriel betont, dass es neben Theorie und Honorarnoten vor allem um das „praktische Wissen aus meinen letzten 35 Jahren in diesem Musikbusiness“ geht. Besonders am Herzen liegt ihm dabei die mentale Gesundheit:

„Jede Menge Tipps und Tricks, wie man das Ganze ohne Substanzen übersteht. Dieses Business.“ 

Generationenübergreifender Groove

Das Besondere am Stammtisch für Kunstschaffende ist der Mix: Hier trifft der Newcomer auf die Legende. Einer dieser Legendären ist Reinhold Bilgeri. Als Rockprofessor, Filmemacher und Autor hat er fast alles erreicht, doch der Antrieb ist ungebrochen. „Künstlerisch treiben mich meine Ideen, die nach wie vor herumkreisen, in meinem Kopf an“, erzählt Bilgeri. Für ihn ist die Verbindung der Disziplinen ein Glücksfall: „Ich kann einen Roman schreiben und aus dem Roman ein Drehbuch machen [...] und dann am Schluss hast ein Film da.“.

Eine Generation weiter – und doch künstlerisch verbunden – ist seine Tochter Laura Bilgeri. Nach sechs Jahren in Los Angeles hat sie im Lockdown ihre Liebe zur Musik entdeckt. Der Wechsel vom Filmset zur Musikbühne war fließend: „Alles Kreative ist wunderschön. Egal, ob es jetzt an einem Set ist [...] oder im Musikstudio“. Dennoch gibt es Unterschiede in der Nervosität. Auf die Frage, was nervenaufreibender sei – Casting oder Live-Auftritt – antwortet sie klar:

„Tatsächlich ein Casting [...] Meistens sind diese Caster halt sehr emotionslos [...] Und bei einem Liveauftritt kriegst du gleich ein Feedback.“ 

Von der politischen Arena auf die Showbühne

Einen der wohl spannendsten Karriere-Twists des Abends verkörpert Eva Glawischnig-Piesczek. Die ehemalige Spitzenpolitikerin ist heute auch musikalisch unterwegs. Hilft die Erfahrung harter politischer Debatten gegen Lampenfieber beim Singen?

„Absolut. Also so exponiert zu sein wie in einem Parlament [...] In so einer richtigen Arena, in einer Kampfarena bist. Das ist schon eine Spur härter, als auf einer Musik Bühne zu stehen.“ 

Privat liebt sie Soul und Aretha Franklin – Musik, bei der man auch mal „Achter machen“ kann mit der Hüfte.

Das Geschäft mit der Musik: Streaming, Hits und Rechte

Doch Romantik allein zahlt keine Miete. Alexander Kahr, einer der erfolgreichsten Hitproduzenten des Landes, gibt Einblicke in die veränderte Realität der Musikproduktion im Streaming-Zeitalter. Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt:

„Dass der Anfang nie länger wie 3 bis 4 Sekunden sein sollte [...] Sonst bist du sofort weg.“ 

Dennoch bleibt für Kahr eines entscheidend: Die Persönlichkeit. Die ganz Großen, so Kahr, „haben sich selber nie wichtig genommen“.

Damit am Ende auch das Geld stimmt, setzen sich Menschen wie Hans Ecker (AKM-Vizepräsident) und Emanuel Treu (AKM-Vorstandsmitglied) ein. Treu, der selbst den Podcast "Der erfolgreiche Musiker hostet", sieht keinen Widerspruch zwischen Funktionärsarbeit und Kreativität. Im Gegenteil: „Ich bin eigentlich überzeugt davon, dass ich ein besseres Vorstandsmitglied bin. Deshalb, weil ich die Branche hautnah erlebe.“.

Ehrliches Feedback: Kinder und der Wiener „Schmäh“

Wer wissen will, ob eine Performance wirklich funktioniert, sollte Christoph Hirschler fragen. Der Kinderentertainer und Zauberer stellt sich täglich der härtesten Jury der Welt.

„Wenn es ein Kind nicht interessiert, steht auf und geht oder macht irgendwas anderes.“ 

Diese Schule der direkten Resonanz hilft ihm auch vor erwachsenem Publikum.

Ein Publikumsliebling ganz anderer Art ist Adi Hirschal. Er hat das „Strizzi-Lied“ wieder salonfähig gemacht und sieht darin eine Antwort auf den Zeitgeist: „Die Sehnsucht nach einer Unkorrektheit, die völlig abhanden gekommen ist in der letzten Zeit, weil alles so korrekt ist und so geschniegelt.“. Sein Rat an die Jungen? Nicht im stillen Kämmerlein bleiben, sondern „Offen zu sein.“.

Wien: Mehr als Mozart

W24-Journalist Gerhard Koller bestätigt beim Stammtisch für Kunstschaffende, dass Wien seinen Ruf als Weltstadt der Musik zu Recht trägt, sich aber wandelt. Es geht nicht mehr nur um Mozart und Falco. „Gerade der neue Austro Pop [...] ist ein ganz starkes Lebenszeichen.“. Bands wie Wanda oder Bilderbuch zeigen eine „ganz moderne, neue Art des Wienerischen“.

Fazit: Vernetzung ist alles

Ob Bildregisseur Axel Hofmann, der live Pannen ausbügeln muss, ohne dass der Zuschauer es merkt , oder das Musik-Duo Pilat & Pross, die sich blind verstehen: Der Tenor des Abends ist eindeutig. In einer Zeit, in der vieles digital und oberflächlich läuft, ist der persönliche Kontakt Gold wert.

Der Stammtisch für Kunstschaffende von Reinhart Gabriel beweist: Wenn Menschen ihre Geschichten teilen, entstehen nicht nur Netzwerke, sondern Inspiration für die Zukunft.

Die Gäste dieser Ausgabe

Reinhart Gabriel: Gastgeber & Seminarleiter

Reinhold Bilgeri: Rockprofessor & Multimedia-Künstler

Laura Bilgeri: Schauspielerin & Musikerin

Hans Ecker: AKM-Vizepräsident

Emanuel Treu: Songwriter, Podcaster & AKM-Vorstand

Eva Glawischnig-Piesczek: Ex-Politikerin & Sängerin

Gerhard Koller: Journalist (W24)

Axel Hofmann: Bildregisseur

Adi Hirschal: Schauspieler & Intendant

Christoph Hirschler: Kinderentertainer

Alexander Kahr: Musikproduzent

Pilat & Pross: Musik-Duo

Sonja Plöchl: Model & Bookerin

Credits: Redaktion & Schnitt: Manuel Waldner | Kamera: Marcus Schwemin

#FEEDBACK

von Peter.W. 29. Mai 2026
2019 wurde auf 4chan dazu aufgerufen Fotos zu posten, die folgenden Kriterien entsprechen sollten: "disquieting images that just feel 'off'" Am 18. Mai reichte ein anonymer User das Foto eines unwirtlichen gelben Korridors ein, das bereits seit mindestens 2011 im Netz kursierte. Dieses wurde am darauffolgenden Tag von einem anonymen User um den Namen Backrooms und folgende Creepypasta ergänzt: If you're not careful and you noclip out of reality in the wrong areas, you'll end up in the Backrooms, where it's nothing but the stink of old moist carpet, the madness of mono-yellow, the endless background noise of fluorescent lights at maximum hum-buzz, and approximately six hundred million square miles of randomly segmented empty rooms to be trapped in God save you if you hear something wandering around nearby, because it sure as hell has heard you. Von da an ging eine Welle der Inspiration durch's Netz. Fans bauten weiter auf dem Mythos auf, kreierten ihre eigenen Bilder, Geschichten, Spiele und Filme. Diverse Internethorror-Channels berichteten über das Phänomen und auch wir vom Kollektiv-Magazin stellten die Backrooms im August 2021 in unserem Artikel Dark Oddities # 13 vor und kamen sogar auf das zugrundeliegende Konzept der Liminal Spaces zu sprechen. Den wirklichen Durchbruch schafften die Backrooms aber am 1. Februar 2022, als der damals 16-jährige Filmemacher und VFX-Artist Kane Parsons aka Kane Pixels das Erste einer ganzen Reihe von Analog Horror-Videos veröffentlichte: "The Backrooms (Found Footage)". Das raffiniert gemachte Nischenprojekt avancierte rasch zur viralen Sensation. Innerhalb eines Monats wurde es 13 Millionen mal angeklickt. Und die Massen hungerten nach mehr!
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