REPORTAGE: ERFAHRUNGEN ALS JUNGAUTOR


Die Anfänge


Ich fing an Gedichte zu schreiben, als ich etwa 14 Jahre alt war. Was erfahrungsgemäß das Alter ist mit dem viele junge Autor*innen anfangen. Doch statt der obligaten Liebesgedichte schrieb ich lustige Verse, die man in ein Poesiealbum hätte stecken können. Sie erinnerten an eine Mischung aus Christian Morgenstern und Wilhelm Busch , nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass ich auf eine Waldorfschule ging und das richtig derbe Zeug noch nicht kannte. 


Meine Wahrnehmung von Lyrik änderte sich schlagartig, als ich im Jahr 2000 zum ersten Mal einer Lesung junger salzburger Autor*innen beiwohnte. Ich war verstört und gleichsam fasziniert, von den dunklen, emotionalen Abgründen die sich da auftaten. Geschichten über Menschen die sich mit Selbstmordgedanken plagten oder denen kafkaeske (dieses Wort kannte ich noch nicht) Dinge widerfuhren. Es gab auch witzige Texte, die unterhaltsam vorgetragen wurden. Aber mit einer sprachlichen Genauigkeit, einem Charme und treffsicheren Gespür für's Absurde, wie ich es zuvor noch nicht erlebt hatte. 


Ich habe später festgestellt, dass sich die meisten jugendlichen Dichter von so einem Kulturschock abschrecken lassen und von einem Tag auf den anderen aufhören zu schreiben. Sie haben viel Herzblut in ihre Gedichte gesteckt und sind dann natürlich enttäuscht, wenn ihnen vor Augen geführt wird, dass sie noch immer blutige Anfänger sind. Zu leicht hat man den Eindruck sich vorzeitig die Reputation ruiniert und jede Berechtigung sich literarisch betätigen zu dürfen, verloren zu haben. Aber das ist natürlich Quatsch!


Niemand, auch nicht der begnadetste Literaturnobelpreisträger, war von Anfang an perfekt. Im Gegenteil: Sie waren anfangs auch nicht viel besser, manchmal sogar schlechter als man selbst. Was sich allein schon daran zeigt, wenn man sie auf ihr Frühwerk anspricht und das Thema schneller gewechselt wird, als man Sirtaki tanzen kann. Was sie von normalsterblichen Wortaneinanderreihern abhebt, ist nicht angeborenes Talent, sondern das Resultat viel harter Arbeit, Geduld und der Bereitschaft auch mal auf die Schnauze zu fallen, wieder aufzustehen und aus den gemachten Fehlern zu lernen. Das klingt erstmal irrsinnig anstrengend. Aber meiner Erfahrung nach ist das alles halb so schlimm, wenn einem die Sache wirklich am Herzen liegt.   


Ich für meinen Teil ließ mich, wenn überhaupt, von dieser Lesung inspirieren weiterzumachen und an meiner Schreibe zu arbeiten, worin mich auch ein Gespräch mit dem Autor Robert Kleindienst bestärkte, der mich ermutigte zu experimentieren und endlich mit den Reimgedichten aufzuhören. (Letzteres ist mir nie ganz gelungen, denn ich schreibe sehr viel nach Gehör und da sind Reime einfach zu verführerisch!)


Und da haben wir es auch schon, eines der wichtigsten Elemente für einen aufstrebenden jungen Autor: Feedback. 




Die erste Lesung


Im Literaturbetrieb gibt es zwei Stimmen: Die Einen sind der Meinung, das Konzept "Lesung" sei überholt und im Anbetracht fehlender sprecherischer Qualitäten mancher Autor*innen sogar kontraproduktiv. Für die Anderen gehören Lesungen einfach zur Literatur wie das Amen in der Kirche. Aber nicht nur des Vortrags wegen! Sie sind eine willkommene Gelegenheit für Literaturbegeisterte, sich zu treffen und einen anregenden Abend zu verbringen. Über das Gehörte zu sprechen und gegebenenfalls ein paar neue Kontakte zu knüpfen, die sich noch als hilfreich oder zumindest interessant erweisen könnten.


Für die Autor*innen ist es aber vor allem ein guter Weg ihre Arbeiten einem größeren Publikum zugänglich zu machen und neues Material zu erproben. Junge Autor*innen bedürfen der Bühne vor allem der Übung und des Feedbacks wegen. Wer schreibt, läuft Gefahr einen Tunnelblick zu entwickeln, das eigene Werk durch eine rosarote Brille zu betrachten. Feedback, sowohl wie das Beobachten des Publikums während einer Lesung, sind ein hervorragendes Mittel zur Reflektion und kritischen Analyse. Wobei man als junger Künstler eine Sache im Auge behalten sollte: Negatives Feedback ist gutes Feedback! 


Jemand der sich die Zeit nimmt einem haarklein zu erklären, was ihm/ihr nicht an dem Text gefallen hat, tut dies für gewöhnlich nicht aus dem bloßen Verlangen heraus alles schlecht zu reden. Der Text wird immerhin als WERT genug empfunden einer näheren Analyse standzuhalten. Natürlich bedeutet das nicht, dass man sich alles gleich gefallen lassen und zu Herzen nehmen muss, zumal die Qualität der Kritiker leider stark variiert. Zwischen gutmeinenden Literatur-Connoisseuren die wirklich Ahnung haben und aufgeblasenen Dummschwätzern, die jede Gelegenheit nutzen sich aufzupudeln. Dazwischen: Die Elite. 


Jemand der sagt: "Das hat mir sehr gut gefallen!" streichelt das Ego zwar, aber langfristig gesehen hat man als Autor sehr wenig davon. Selbst wenn das Lob von jemandem wie Peter Handke oder Elfriede Jelinek kommen sollte. Nichts gegen die Beiden, aber was habe ich davon behaupten zu können, dass XY ein Gedicht von mir gefallen hat, das ich vor fünf Jahren schrieb? Ein Gedicht mit dem ich selbst mittlerweile garnichts mehr anfangen kann. "Das war doch Mist!" werde ich denken und mich fragen, ob sich XY nicht einfach lustig über mich gemacht haben könnte.


Als junger Autor hatte ich tatsächlich vergleichbare Gedanken, wenn mir jemand ein positives Feedback gab. Als hätte ich es "nötig" positives Feedback zu bekommen, weil ich in Wahrheit soooo schlecht war. Natürlich weiß ich, dass das Unsinn ist! Aber in dem Alter kommt man schon mal auf solche Selbstzweifel. Umso wichtiger ist es Freunde zu haben mit denen man auf Lesungen gehen kann.


Hier noch ein paar Tipps für junge Autor*innen, die kurz vor ihrer ersten Lesung stehen:


Lest keine Fließtexte die ihr irgendwann einmal zusammengeschustert habt, um "ins Schreiben zu kommen". Zumindest nicht in unbearbeiteter Form. Diese Texte sind erfahrungsgemäß sehr anstrengend zum anhören. Besser sind jene, an denen wirklich gearbeitet wurde, die man schon beim Schreiben mehrmals laut vor sich hin rezitiert hat, um sicher zu gehen, dass die Sätze auch sitzen. Meist ergibt sich daraus auch gleich die richtige Sprachmelodie, die beim Vortrag benötigt wird!


Schlimm sind auch Texte darüber, dass einem Nichts eingefallen ist, worüber man schreiben hätte könnte. Das wirkt zwar "meta", zählt aber schon zum Abgedroschensten das es gibt. Oder Texte in denen man sich über eine Stadt aufregt, die der Mehrheit der Anwesenden bekannt ist. Die Kritik mag noch so berechtigt sein, wenn's ans Jammern und Sudern geht wird Literatur schnell fad. Ich habe das schon oft gesagt und als Gegenargument wurde mir stets Thomas Bernhard an den Kopf geworfen, der für seinen Hass auf die Stadt Salzburg berühmt war. Ich persönlich mag ihn ja nicht so, aber immerhin war Thomas Bernhard ein Meister seines Fachs und die Städteverunglimpfung seinerzeit nichts das allzu inflationär in Gebrauch war, wie heute.


Das erste Buch


Bevor ich mit Publikationen anfange, hier noch eine kurze Abschweifung zum Thema Autor*innengruppen: Gerade für Jungautoren ist der Zusammenschluss mit Gleichgesinnten eine feine Sache. Einerseits weil man sich gegenseitig vorlesen und Feedback geben kann, andererseits weil sich unangenehme organisatorische Angelegenheiten in der Gruppe leichter bewältigen lassen. Gemeinsam kennt man auch mehr Leute, die bei dem einen oder anderen Projekt hilfreich sein können.


Ich habe persönlich sehr gute Erfahrungen mit Gruppen gemacht und einige meiner besten Freunde habe ich in solchen Zusammenschlüssen kennengelernt. Was mich heute eher abschreckt sind subventionierte Vereine, da bei ihnen das Organisatorische stark in den Vordergrund rückt, was dem Kreativen einen unangenehmen Dämpfer verpasst. Auf der anderen Seite haben Vereine bessere Ressourcen, sind steuerlich etwas flexibler und hervorragend vernetzt. 


Es gibt Literaturwerkstätten, Literaturhäuser und Lesezirkel noch und nöcher. Manche sind relativ offen und aufgeschlossen, manche ein bisschen elitär und aufgeblasen. Welche letztlich die Richtigen für einen selbst sind, muss man im Alleingang herausfinden. Auch was Wettbewerbe betrifft gehen die Meinungen auseinander. An sich gilt hier was ich bereits über Lesungen geschrieben habe, Wettbewerbe sind aber tatsächlich ein bisschen destruktiver, da sie unpersönlicher sind, stark von der Meinung einer Masse (Jury, Publikum) abhängig und beim Feedback nicht allzu sehr ins Detail gegangen wird.


Dabei heißt es noch lange nichts, wenn man verliert! Ich lernte meinen langjährigen Freund und Kollegen Marko Dinic  (siehe Foto 3) vor 10 Jahren bei einem Lesewettbewerb kennen, den wir beide verloren. Und das gegen jemanden, der gerade erst zu schreiben begonnen hatte. Einfach weil der Jury sein Vortrag besser gefallen hatte als unserer. Marko blieb davon unbeeindruckt, er arbeitete hart weiter an seinen Texten und schickte sie bei diversen Stellen ein. Heute ist er ein gefragter Autor und mehrfacher Stadtschreiber. 


Mit den richtigen Verbündeten tut man sich weitaus leichter ein Buch zu publizieren als im Alleingang. Meine ersten vier Bücher waren Anthologien, also Sammelbänder mit Texten verschiedener Autor*innen, weil ich etwas mehr selektieren wollte und man mit einem so breitgefächerten Werk auch Leute erreicht, die einen normalerweise nicht zur Hand nehmen würden. Wer genug schreibt, kann aber auch solo publizieren. Dann braucht man aber auch Partner auf die man sich voll und ganz verlassen kann. Die Lesereisen und Interviews organisieren, Plakate drucken, auf Buchmessen auf die Sache aufmerksam machen etc.


Was Lyrik betrifft durfte ich die Erfahrung machen, dass sich in Österreich kaum mal ein Verlag findet, der Lyrik von unbekannten jungen Autor*innen veröffentlicht. Einfach weil der Markt dafür zu schwach ist. In Deutschland hingegen boomt die Lyrikszene geradezu, nur muss man da auch mit Wartezeiten rechnen und sich bemühen auf sich aufmerksam zu machen. Romane sind ebenfalls schwierig, allerdings weniger vom Verlegen her als vom tatsächlichen Aufwand sie zu schreiben. Ein guter Roman bedeutet viel Zeit und Energie, die man auf der anderen Seite aber auch bräuchte, um Lesungen zu halten und auf sich aufmerksam zu machen. 


Der beste Mittelweg scheinen mir Prosa, Short stories, Kolumnen und die bereits erwähnten Anthologien. Hörspiele ließen sich auch hervorragend vertreiben, zumal es seit etlichen Jahren das Konzept der Netlabels gibt, die aus für mich unerfindlichen Gründen kaum Literatur feilbieten, obwohl das schon ein interessanter Markt wäre. Freie Radiostationen (oder Bürgerradios, wie man in Deutschland sagt) bieten auch Möglichkeiten die eigenen Werke einem breiteren Publikum zu präsentieren.

#FEEDBACK

von Peter.W. 24. Februar 2026
2019 wurde auf 4chan dazu aufgerufen Fotos zu posten, die folgenden Kriterien entsprechen sollten: "disquieting images that just feel 'off'" Am 18. Mai reichte ein anonymer User das Foto eines unwirtlichen gelben Korridors ein, das bereits seit mindestens 2011 im Netz kursierte. Dieses wurde am darauffolgenden Tag von einem anonymen User um den Namen Backrooms und folgende Creepypasta ergänzt: If you're not careful and you noclip out of reality in the wrong areas, you'll end up in the Backrooms, where it's nothing but the stink of old moist carpet, the madness of mono-yellow, the endless background noise of fluorescent lights at maximum hum-buzz, and approximately six hundred million square miles of randomly segmented empty rooms to be trapped in God save you if you hear something wandering around nearby, because it sure as hell has heard you. Von da an ging eine Welle der Inspiration durch's Netz. Fans bauten weiter auf dem Mythos auf, kreierten ihre eigenen Bilder, Geschichten, Spiele und Filme. Diverse Internethorror-Channels berichteten über das Phänomen und auch wir vom Kollektiv-Magazin stellten die Backrooms im August 2021 in unserem Artikel Dark Oddities # 13 vor und kamen sogar auf das zugrundeliegende Konzept der Liminal Spaces zu sprechen. Den wirklichen Durchbruch schafften die Backrooms aber am 1. Februar 2022, als der damals 16-jährige Filmemacher und VFX-Artist Kane Parsons aka Kane Pixels das Erste einer ganzen Reihe von Analog Horror-Videos veröffentlichte: "The Backrooms (Found Footage)". Das raffiniert gemachte Nischenprojekt avancierte rasch zur viralen Sensation. Innerhalb eines Monats wurde es 13 Millionen mal angeklickt. Und die Massen hungerten nach mehr!
von Manuel Waldner 11. Februar 2026
Willkommen zum „INFINITI“-Spezial im Kollektiv Podcast! DI Dr. Norbert Frischauf (CERN, ESA, NASA) und Host Manuel Waldner diskutieren die Space- & Science-Highlights des Jahres 2026 und beantworten eure ZuschauerInnenfragen. Nach 50 Jahren Abwesenheit kehrt die Menschheit mit der Artemis-Mission und europäischer Beteiligung endlich zum Mond zurück, um dort eine dauerhafte Präsenz als Sprungbrett für den Mars aufzubauen. Norbert Frischauf beleuchtet die faszinierende Suche nach Leben auf dem Roten Planeten, wo Methan-Vorkommen und unterirdisches Eis auf noch existierende Mikroben hindeuten könnten. Der Podcast taucht tief in die Welt der Physik ein, von der Suche nach Dunkler Materie am CERN bis hin zur kritischen Einordnung der aktuellen Hypes um Kernfusion und Mega-Raketen wie dem Starship. Auch die Grenzen der Künstlichen Intelligenz in der Forschung und die ethischen Risiken von Geoengineering werden schonungslos analysiert. Abschließend gibt es einen Ausblick auf 2026, wo neue Super-Teleskope wie das ELT und James Webb potenziell erste echte Biosignaturen auf fremden Welten entdecken könnten. 01:12 - Rückkehr zum Mond: Das europäische Servicemodul und das neue Artemis-Raumschiff 02:13 - Artemis vs. Apollo: Warum wir nach 50 Jahren wieder fliegen und was anders ist 05:05 - Wasser am Mond: Warum die Pole und der "Halo Orbit" entscheidend sind 07:58 - Sprungbrett Mars: Nuklearantriebe und der Mond als Weltraumbahnhof 11:04 - Der Mars-Rover: Technische Herausforderungen bei -80 Grad Celsius 14:10 - Leben auf dem Mars: Methan als starkes Indiz für unterirdische Mikroben 17:39 - Mega-Raketen: Sinkende Kosten durch Starship und die Grenzen der Physik 22:42 - Dunkle Materie: Was uns Gravitationslinsen und das Euklid-Teleskop verraten 25:28 - Blick ins CERN: Wie Teilchenbeschleuniger den Urknall simulieren 31:44 - KI in der Wissenschaft: Warum Klimamodelle keine "starke KI" sind 37:59 - Robotergesetze: Isaac Asimovs Regeln und die Grenzen moderner Algorithmen 39:20 - CRISPR & Genetik: Warum der medizinische Durchbruch noch Zeit braucht 41:59 - Kernfusion erklärt: Der Unterschied zwischen Laser-Fusion und Tokamak 48:44 - Der neue Super-Collider (FCC): Warum wir eine 20-Milliarden-Maschine brauchen 55:52 - Ausblick 2026: Das European Extremely Large Telescope und die Suche nach einer zweiten Erde Ihr wollt auch eine Antwort vom Profi? Schickt eure Fragen an science@kollektiv-magazin.com . Die spannendsten Einsendungen nehmen wir in die nächste Episode auf! 👉 Vergesst nicht zu abonnieren! Werdet Teil des Kollektivs und verpasst keine unserer Touren, Talks und Eskapaden mehr.
von Manuel Waldner 30. Januar 2026
Die Nächte in Reykjavík flüstern von Maschinen und Träumen. Ein Echo hallt durch die Dunkelheit: "Afrit... Afritvél..." Die "Kopiermaschine" surrt unheilvoll, bereit, mehr als nur Tinte zu übertragen. Sie saugt Sehnsüchte auf, projiziert Bilder auf eine Leinwand der Besessenheit. Eine junge Frau steht im Scheinwerferlicht ihrer Fantasie, eine Königin auf einer Bühne, die nur in ihrem Kopf existiert. Doch der Glanz trügt. Hinter der polierten Fassade brodelt eine dunkle Wahrheit. Eine unheilvolle Entdeckung in der Stille des Kopierraums. Ein Stil kopiert bis ins kleinste Detail – und mit ihm ein Schatten des Endes. Angst kriecht unter die Haut, eine unstillbare Gier nach etwas, das nicht ihr Eigen ist. Warum diese tiefe Traurigkeit im Herzen, wenn die Oberfläche doch so strahlend ist? Sie tanzt auf einem schmalen Grat zwischen Märchen und Realität, unantastbar in ihrer eigenen Welt. Der Kopf hoch erhoben, ein flüchtiger Stern am Nachthimmel. Doch das "La-La-Land", in dem sie lebt, droht zu zerbrechen, ihre Handlungen hinterlassen Spuren der Zerstörung. Ist dieser gefährliche Pfad wirklich der Weg in die Freiheit? Die Maschine flüstert weiter, verlangt nach mehr. Träume sollen kopiert, Strahlen fixiert werden. Nicht nur der Wunsch nach dem Rampenlicht, sondern das Verlangen, das innerste Wesen zu duplizieren – "Afrit, Afritvél, viltu afrita genið?" Willst du das Gen kopieren? Teure Kleider, ein perfekt gestyltes Haar – eine Rüstung gegen die Welt. Die hasserfüllten Blicke prallen ab an einer Mauer aus Ignoranz. Prada als Schutzschild, während in den Casinos von Las Vegas ein riskantes Spiel mit dem Schicksal getrieben wird. Und dann diese Visionen: Einhörner und Engel, ein Kuss am Abgrund, ein Aufstieg in einen violetten Himmel. Ein flüchtiger Moment der Erlösung, in dem die Freiheit in den Augen glitzert. Doch ist es echt? Oder nur ein weiteres Bild, projiziert von der unheimlichen Maschine? Die "Afritvél" läuft unaufhaltsam weiter, eine Metapher für eine gefährliche Suche nach Identität. Eine Geschichte von Besessenheit, von der trügerischen Verlockung der Nachahmung und dem verzweifelten Wunsch, jemand anderes zu sein. Lausche genau, denn in den elektronischen Beats und dem eindringlichen Gesang verbirgt sich eine dunkle Wahrheit über den Preis der Freiheit und die Zerbrechlichkeit des Selbst. Hier gibt es mehr Informationen zum Musikprojekt: https://www.kollektiv-magazin.com/ai-musikprojekt-dominion-protocol
von Manuel Waldner 30. Januar 2026
Vom Rockprofessor bis zur Ex-Politikerin, vom Hit-Produzenten bis zum Kinder-Entertainer: Wir waren zu Gast bei Reinhart Gabriels „Stammtisch für Kunstschaffende“. Ein Blick hinter die Kulissen einer Szene, die vor allem eines braucht: Echte Begegnung. Es ist keine gewöhnliche Podcast-Folge aus dem Wohnzimmer, wo sonst die Wäsche hängt. Diesmal sind wir mittendrin im Geschehen. Der Ort: Ein Raum voller Geschichte(n). Der Anlass: Der Stammtisch für Kunstschaffende. Hier geht es nicht um bloßes Visitenkarten-Tauschen, sondern um das Überleben und Aufblühen in einer Branche, die so hart wie herzlich sein kann. Das Ziel ist branchen- und generationenübergreifendes Netzwerken, bei dem man sofort weiß, „Wer ist wer“. Gastgeber Reinhart Gabriel hat eine klare Mission: Er schafft Räume für Begegnungen und Weiterbildung, damit Menschen voneinander lernen können. Doch was nehmen Künstlerinnen und Künstler konkret vom Stammtisch für Kunstschaffende mit? Reinhart Gabriel betont, dass es neben Theorie und Honorarnoten vor allem um das „praktische Wissen aus meinen letzten 35 Jahren in diesem Musikbusiness“ geht. Besonders am Herzen liegt ihm dabei die mentale Gesundheit: „Jede Menge Tipps und Tricks, wie man das Ganze ohne Substanzen übersteht. Dieses Business.“ Generationenübergreifender Groove Das Besondere am Stammtisch für Kunstschaffende ist der Mix: Hier trifft der Newcomer auf die Legende. Einer dieser Legendären ist Reinhold Bilgeri. Als Rockprofessor, Filmemacher und Autor hat er fast alles erreicht, doch der Antrieb ist ungebrochen. „Künstlerisch treiben mich meine Ideen, die nach wie vor herumkreisen, in meinem Kopf an“ , erzählt Bilgeri. Für ihn ist die Verbindung der Disziplinen ein Glücksfall: „Ich kann einen Roman schreiben und aus dem Roman ein Drehbuch machen [...] und dann am Schluss hast ein Film da.“. Eine Generation weiter – und doch künstlerisch verbunden – ist seine Tochter Laura Bilgeri . Nach sechs Jahren in Los Angeles hat sie im Lockdown ihre Liebe zur Musik entdeckt. Der Wechsel vom Filmset zur Musikbühne war fließend: „Alles Kreative ist wunderschön. Egal, ob es jetzt an einem Set ist [...] oder im Musikstudio“. Dennoch gibt es Unterschiede in der Nervosität. Auf die Frage, was nervenaufreibender sei – Casting oder Live-Auftritt – antwortet sie klar: „Tatsächlich ein Casting [...] Meistens sind diese Caster halt sehr emotionslos [...] Und bei einem Liveauftritt kriegst du gleich ein Feedback.“ Von der politischen Arena auf die Showbühne Einen der wohl spannendsten Karriere-Twists des Abends verkörpert Eva Glawischnig-Piesczek . Die ehemalige Spitzenpolitikerin ist heute auch musikalisch unterwegs. Hilft die Erfahrung harter politischer Debatten gegen Lampenfieber beim Singen? „Absolut. Also so exponiert zu sein wie in einem Parlament [...] In so einer richtigen Arena, in einer Kampfarena bist. Das ist schon eine Spur härter, als auf einer Musik Bühne zu stehen.“ Privat liebt sie Soul und Aretha Franklin – Musik, bei der man auch mal „Achter machen“ kann mit der Hüfte. Das Geschäft mit der Musik: Streaming, Hits und Rechte Doch Romantik allein zahlt keine Miete. Alexander Kahr , einer der erfolgreichsten Hitproduzenten des Landes, gibt Einblicke in die veränderte Realität der Musikproduktion im Streaming-Zeitalter. Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt: „Dass der Anfang nie länger wie 3 bis 4 Sekunden sein sollte [...] Sonst bist du sofort weg.“ Dennoch bleibt für Kahr eines entscheidend: Die Persönlichkeit. Die ganz Großen, so Kahr, „haben sich selber nie wichtig genommen“. Damit am Ende auch das Geld stimmt, setzen sich Menschen wie Hans Ecker (AKM-Vizepräsident) und Emanuel Treu (AKM-Vorstandsmitglied) ein. Treu, der selbst den Podcast "Der erfolgreiche Musiker hostet", sieht keinen Widerspruch zwischen Funktionärsarbeit und Kreativität. Im Gegenteil: „Ich bin eigentlich überzeugt davon, dass ich ein besseres Vorstandsmitglied bin. Deshalb, weil ich die Branche hautnah erlebe.“. Ehrliches Feedback: Kinder und der Wiener „Schmäh“ Wer wissen will, ob eine Performance wirklich funktioniert, sollte Christoph Hirschler fragen. Der Kinderentertainer und Zauberer stellt sich täglich der härtesten Jury der Welt. „Wenn es ein Kind nicht interessiert, steht auf und geht oder macht irgendwas anderes.“ Diese Schule der direkten Resonanz hilft ihm auch vor erwachsenem Publikum. Ein Publikumsliebling ganz anderer Art ist Adi Hirschal . Er hat das „Strizzi-Lied“ wieder salonfähig gemacht und sieht darin eine Antwort auf den Zeitgeist: „Die Sehnsucht nach einer Unkorrektheit, die völlig abhanden gekommen ist in der letzten Zeit, weil alles so korrekt ist und so geschniegelt.“ . Sein Rat an die Jungen? Nicht im stillen Kämmerlein bleiben, sondern „Offen zu sein.“. Wien: Mehr als Mozart W24-Journalist Gerhard Koller bestätigt beim Stammtisch für Kunstschaffende, dass Wien seinen Ruf als Weltstadt der Musik zu Recht trägt, sich aber wandelt. Es geht nicht mehr nur um Mozart und Falco. „Gerade der neue Austro Pop [...] ist ein ganz starkes Lebenszeichen.“ . Bands wie Wanda oder Bilderbuch zeigen eine „ganz moderne, neue Art des Wienerischen“. Fazit: Vernetzung ist alles Ob Bildregisseur Axel Hofmann , der live Pannen ausbügeln muss, ohne dass der Zuschauer es merkt , oder das Musik-Duo Pilat & Pross , die sich blind verstehen: Der Tenor des Abends ist eindeutig. In einer Zeit, in der vieles digital und oberflächlich läuft, ist der persönliche Kontakt Gold wert. Der Stammtisch für Kunstschaffende von Reinhart Gabriel beweist: Wenn Menschen ihre Geschichten teilen, entstehen nicht nur Netzwerke, sondern Inspiration für die Zukunft. Die Gäste dieser Ausgabe Reinhart Gabriel: Gastgeber & Seminarleiter Reinhold Bilgeri: Rockprofessor & Multimedia-Künstler Laura Bilgeri: Schauspielerin & Musikerin Hans Ecker: AKM-Vizepräsident Emanuel Treu: Songwriter, Podcaster & AKM-Vorstand Eva Glawischnig-Piesczek: Ex-Politikerin & Sängerin Gerhard Koller: Journalist (W24) Axel Hofmann: Bildregisseur Adi Hirschal: Schauspieler & Intendant Christoph Hirschler: Kinderentertainer Alexander Kahr: Musikproduzent Pilat & Pross: Musik-Duo Sonja Plöchl: Model & Bookerin Credits: Redaktion & Schnitt: Manuel Waldner | Kamera: Marcus Schwemin