KUNST VS PERFEKTION

Kunst muss makellos sein! Stimmt das oder ist es gerade der Makel der die Kunst vom Gewöhnlichen unterscheidet?

Giotto di Bondone  (1267 oder 1276 - 1337) war ein Maler, Bildhauer und Wegbereiter der italienischen Renaissance. Zu seinen besonderen Fertigkeiten soll gezählt haben, dass er aus freier Hand einen perfekten Kreis zeichnen konnte...

In den Anfängen verstand man unter einem "Künstler" einen Handwerker, der seine Arbeit tatsächlich perfekt beherrschen musste und dessen Fokus auf dem Schönen und Reinen lag. Doch hat sich der Kunstbegriff über die Jahrhunderte hinweg stark verändert und erweitert. Auf einmal ging es um Konzepte, Denkanstösse und Versuche den Horizont zu erweitern; ähnlich der Philosophie und den Naturwissenschaften neue Theorien und Errungenschaften zu entwickeln, die sowohl anregend waren, als auch Konventionen sprengten. Mut zur Hässlichkeit, zur Reibung an der Gesellschaft. Kunst als Spannungsfeld, als Erlebniswelt und Abenteuerspielplatz. Dem entgegen stand stets die Frage: "Ist das noch Kunst?"  

Kintsugi

Im Japan des 16. Jahrhunderts führte der Zen-Buddhismus bereits zu einer Entwicklung im Kunsthandwerk, welche die Geschichte eines Gegenstandes über seine Makellosigkeit stellte. Zu Bruch gegangene Keramik wurde nicht einfach entsorgt, sondern mit einer eigenen Kittmasse repariert in die feinstes Pulvergold und andere Edelmetalle eingearbeitet waren. Dies minderte nicht den Wert der Keramik, sondern machte sie im Gegenteil sogar einzigartig und somit umso kostbarer.
  

Dilettantismus

Obwohl heute eher abwertend im Gebrauch, versteht man unter einem Dilettanten eigentlich jemanden der sich mit der Kunst beschäftigt, ohne eine dahingehend schulische Ausbildung zu haben oder seine Kunst beruflich auszuüben. Johann Wolfgang von Goethe nannte sich beispielsweise selbst einen Dilettanten und das, obwohl er heute als einer der größten deutschen Dichter gefeiert wird.   

Der Dilettant unterscheidet sich aber auch dahingehend von einem Fachmann, als das er seine Kunst vorwiegend ihrer selbst wegen, also aus einem Interesse, einer Leidenschaft heraus ausübt. (Siehe auch: L'art pour l'art) Der Dilettantismus war auch Kernstück einer Westberliner Bewegung in den 1980ern, den Genialen Dilletanten (die falsche Schreibweise war mehr oder weniger beabsichtigt) die darin eine Gegenbewegung zum kommerziellen, elitären Kunstmarkt sahen und - ähnlich dem Kintsugi - Fehler als individuellen Bestandteil ihrer Kunst ansahen. Zu den Genialen Dilletanten zählten u.a. die Einstürzenden Neubauten, Die tödliche Doris, Sprung aus den Wolken, Westbam, Christiane F (Wir Kinder von Bahnhof Zoo) und viele mehr.  
 


Berufs- vs Hobbykünstler


Im professionellen Kunstbetrieb wird gern zwischen den Berufskünstlern und den Hobbykünstlern unterschieden. Berufskünstler seien Meister ihres Fachs, die sich ihr Brot hart erarbeiten müssen. Dementsprechend abfällig äußern sie sich auch schon mal gegenüber der "Hausfrauenfraktion." Leutchen die einfach lustig vor sich hin künsteln, ohne Sinn für's Feinstoffliche und ohne wirklich was zu riskieren. 


Diese Einschätzung ist nicht nur unverschämt und falsch, denn es gibt sehr wohl eine große Grauzone was die Kunst betrifft. Sie scheint auch vornehmlich dem Zweck zu dienen die nicht zu unterschätzende Konkurrenz schlecht zu reden, die es mitunter durchaus mit namhaften Künstlern aufnehmen könnte und dabei viel günstiger und unproblematischer ist. Denn "Hausfrauen" haben es nicht nötig unentwegt den Exzentriker raushängen zu lassen, um auf sich aufmerksam zu machen. Ginge es allein ums Handwerk wären Berufskünstler dieser Tage ohne Zweifel aufgeschmissen. Was ihnen tatsächlich zugute kommt sind ihr Wissen, ihre Erfahrung und Kontakte, ihre Fähigkeit den richtigen Leuten Honig ums Maul zu schmieren und das nötige Geschick zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Es geht im Grunde ums richtige Marketing, so unsympathisch das auch klingen mag!


Was sie sich nicht erlauben können sind Fehler, da sie mit jedem Risiko ihre eigene Existenz auf's Spiel setzen! Dadurch schränken sie sich enorm in ihren Möglichkeiten ein. Denn wo keine Fehler gemacht werden können und man die Laborsituation scheut, davor Angst hat einmal ordentlich auf die Fresse zu fallen, wieder aufzustehen und mit wissendem Grinsen die blutende Nase am Ärmel abzuwischen, entsteht selten etwas wirklich Neues und Innovatives. Ein guter Zwischenweg ist die Symbiose, zwischen der Hoch- und Subkultur, aber auch - im Sinne der  Transdisziplinarität  - die Symbiose zwischen Kunst und Wissenschaft. Das ist allerdings schon wieder eine ganz andere Baustelle... 

 

Mitte der 1990er fiel dem deutschen Elektroniker Stefan Betke sein Waldorf 4-Pole-Analogfilter herunter, der nur noch ein eigentümliches Knacksen, Zischen und Rauschen von sich gab. Statt das Gerät zu entsorgen, machte er sich diese Eigenart zunutze und startete eine Karriere als Dub-Techno-Produzent Pole. Er gilt heute als einer der Pioniere der Glitch-Musik in den 1990ern.

Schwellenangst


Gerade am Anfang ihrer Karriere geht es jungen Künstlern wie dem Hasen vor der Schlange oder dem Germanisten vor dem weißen Blatt Papier: Die ersten Schritte wollen genau überlegt sein. Sie versteifen sich zu sehr darauf von Anfang an einen guten Eindruck zu hinterlassen und geben nichts aus der Hand, aus Angst sich die Reputation kaputt zu machen. Als wäre die Reputation sowas wie eine Lizenz sich überhaupt künstlerisch betätigen zu dürfen. 


Die Wahrheit ist: Fehler gehören dazu! Es tut anfangs weh, aber wir lernen eine Menge daraus, sollten uns also auch nicht vor negativem Feedback fürchten. Negatives Feedback ist sogar besser als positives Feedback, denn Letzeres streichelt zwar unser Ego, aber wir haben nicht lang was davon. Wer einem negatives Feedback gibt suggeriert zumindest, dass er sich mit der Sache beschäftigt hat und sie als wertvoll genug erachtet, sich noch einmal mit ihr auseinander zu setzen. Was man von dem Feedback annimmt ist jedem selbst überlassen, im schlechtesten Fall erfährt man wenigstens etwas über seine Klientel. 


Eine Strategie gegen die Schwellenangst wäre es, sein Werk erstmal im kleinen Rahmen zu erproben. Möglichst nicht mit wohlmeinenden Freunden und Verwandten, es müssen schon auch Fremde im Spiel sein, damit das Feedback ungezuckert und ehrlich ist. Wer will kann auch erstmal ein Pseudonym verwenden oder eine Maske tragen. Sich hinter Gegenständen zu verstecken ist allerdings auch nicht zielführend, da man die Übung vor Publikum aufzutreten ja braucht.



This is a mistake! - A brief history of Glitch by the Wiener Radia Kollektiv.



Ist das Kunst?

Kunst die ehrlich überzeugen soll bedarf einer Sache am allermeisten: Nicht Perfektion, sondern Authentizität. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass einem etwas untergejubelt wird, das lieblos zusammengeschustert oder auch mit viel harter Arbeit, doch ohne Herz und Hirn erzeugt wurde. Vielmehr soll man glauben können, dass die Arbeit ernst genommen wurde, dass man sich auch bei wenig Aufwand zumindest Gedanken gemacht oder einem Impuls gefolgt ist, der aus einem Selbst gekommen ist, nicht aus der bloßen Notwendigkeit oder gar Langeweile heraus. 


Das Publikum zu unterschätzen ist töricht! Man braucht kein Kunstverständnis oder scharfen Verstand um zu spüren, ob etwas ehrlich gemeint ist oder nicht. Und Fehler dürfen gemacht werden, solange man sich ehrlich bemüht! So wächst das Publikum mit dem Künstler und die Kunst wird zu mehr als einem dekorativen Gefäß. Sie wird individuell, kostbar und erzählt womöglich eine interessante Geschichte! 

#FEEDBACK

von Peter.W. 24. Februar 2026
2019 wurde auf 4chan dazu aufgerufen Fotos zu posten, die folgenden Kriterien entsprechen sollten: "disquieting images that just feel 'off'" Am 18. Mai reichte ein anonymer User das Foto eines unwirtlichen gelben Korridors ein, das bereits seit mindestens 2011 im Netz kursierte. Dieses wurde am darauffolgenden Tag von einem anonymen User um den Namen Backrooms und folgende Creepypasta ergänzt: If you're not careful and you noclip out of reality in the wrong areas, you'll end up in the Backrooms, where it's nothing but the stink of old moist carpet, the madness of mono-yellow, the endless background noise of fluorescent lights at maximum hum-buzz, and approximately six hundred million square miles of randomly segmented empty rooms to be trapped in God save you if you hear something wandering around nearby, because it sure as hell has heard you. Von da an ging eine Welle der Inspiration durch's Netz. Fans bauten weiter auf dem Mythos auf, kreierten ihre eigenen Bilder, Geschichten, Spiele und Filme. Diverse Internethorror-Channels berichteten über das Phänomen und auch wir vom Kollektiv-Magazin stellten die Backrooms im August 2021 in unserem Artikel Dark Oddities # 13 vor und kamen sogar auf das zugrundeliegende Konzept der Liminal Spaces zu sprechen. Den wirklichen Durchbruch schafften die Backrooms aber am 1. Februar 2022, als der damals 16-jährige Filmemacher und VFX-Artist Kane Parsons aka Kane Pixels das Erste einer ganzen Reihe von Analog Horror-Videos veröffentlichte: "The Backrooms (Found Footage)". Das raffiniert gemachte Nischenprojekt avancierte rasch zur viralen Sensation. Innerhalb eines Monats wurde es 13 Millionen mal angeklickt. Und die Massen hungerten nach mehr!
von Manuel Waldner 11. Februar 2026
Willkommen zum „INFINITI“-Spezial im Kollektiv Podcast! DI Dr. Norbert Frischauf (CERN, ESA, NASA) und Host Manuel Waldner diskutieren die Space- & Science-Highlights des Jahres 2026 und beantworten eure ZuschauerInnenfragen. Nach 50 Jahren Abwesenheit kehrt die Menschheit mit der Artemis-Mission und europäischer Beteiligung endlich zum Mond zurück, um dort eine dauerhafte Präsenz als Sprungbrett für den Mars aufzubauen. Norbert Frischauf beleuchtet die faszinierende Suche nach Leben auf dem Roten Planeten, wo Methan-Vorkommen und unterirdisches Eis auf noch existierende Mikroben hindeuten könnten. Der Podcast taucht tief in die Welt der Physik ein, von der Suche nach Dunkler Materie am CERN bis hin zur kritischen Einordnung der aktuellen Hypes um Kernfusion und Mega-Raketen wie dem Starship. Auch die Grenzen der Künstlichen Intelligenz in der Forschung und die ethischen Risiken von Geoengineering werden schonungslos analysiert. Abschließend gibt es einen Ausblick auf 2026, wo neue Super-Teleskope wie das ELT und James Webb potenziell erste echte Biosignaturen auf fremden Welten entdecken könnten. 01:12 - Rückkehr zum Mond: Das europäische Servicemodul und das neue Artemis-Raumschiff 02:13 - Artemis vs. Apollo: Warum wir nach 50 Jahren wieder fliegen und was anders ist 05:05 - Wasser am Mond: Warum die Pole und der "Halo Orbit" entscheidend sind 07:58 - Sprungbrett Mars: Nuklearantriebe und der Mond als Weltraumbahnhof 11:04 - Der Mars-Rover: Technische Herausforderungen bei -80 Grad Celsius 14:10 - Leben auf dem Mars: Methan als starkes Indiz für unterirdische Mikroben 17:39 - Mega-Raketen: Sinkende Kosten durch Starship und die Grenzen der Physik 22:42 - Dunkle Materie: Was uns Gravitationslinsen und das Euklid-Teleskop verraten 25:28 - Blick ins CERN: Wie Teilchenbeschleuniger den Urknall simulieren 31:44 - KI in der Wissenschaft: Warum Klimamodelle keine "starke KI" sind 37:59 - Robotergesetze: Isaac Asimovs Regeln und die Grenzen moderner Algorithmen 39:20 - CRISPR & Genetik: Warum der medizinische Durchbruch noch Zeit braucht 41:59 - Kernfusion erklärt: Der Unterschied zwischen Laser-Fusion und Tokamak 48:44 - Der neue Super-Collider (FCC): Warum wir eine 20-Milliarden-Maschine brauchen 55:52 - Ausblick 2026: Das European Extremely Large Telescope und die Suche nach einer zweiten Erde Ihr wollt auch eine Antwort vom Profi? Schickt eure Fragen an science@kollektiv-magazin.com . Die spannendsten Einsendungen nehmen wir in die nächste Episode auf! 👉 Vergesst nicht zu abonnieren! Werdet Teil des Kollektivs und verpasst keine unserer Touren, Talks und Eskapaden mehr.
von Manuel Waldner 30. Januar 2026
Die Nächte in Reykjavík flüstern von Maschinen und Träumen. Ein Echo hallt durch die Dunkelheit: "Afrit... Afritvél..." Die "Kopiermaschine" surrt unheilvoll, bereit, mehr als nur Tinte zu übertragen. Sie saugt Sehnsüchte auf, projiziert Bilder auf eine Leinwand der Besessenheit. Eine junge Frau steht im Scheinwerferlicht ihrer Fantasie, eine Königin auf einer Bühne, die nur in ihrem Kopf existiert. Doch der Glanz trügt. Hinter der polierten Fassade brodelt eine dunkle Wahrheit. Eine unheilvolle Entdeckung in der Stille des Kopierraums. Ein Stil kopiert bis ins kleinste Detail – und mit ihm ein Schatten des Endes. Angst kriecht unter die Haut, eine unstillbare Gier nach etwas, das nicht ihr Eigen ist. Warum diese tiefe Traurigkeit im Herzen, wenn die Oberfläche doch so strahlend ist? Sie tanzt auf einem schmalen Grat zwischen Märchen und Realität, unantastbar in ihrer eigenen Welt. Der Kopf hoch erhoben, ein flüchtiger Stern am Nachthimmel. Doch das "La-La-Land", in dem sie lebt, droht zu zerbrechen, ihre Handlungen hinterlassen Spuren der Zerstörung. Ist dieser gefährliche Pfad wirklich der Weg in die Freiheit? Die Maschine flüstert weiter, verlangt nach mehr. Träume sollen kopiert, Strahlen fixiert werden. Nicht nur der Wunsch nach dem Rampenlicht, sondern das Verlangen, das innerste Wesen zu duplizieren – "Afrit, Afritvél, viltu afrita genið?" Willst du das Gen kopieren? Teure Kleider, ein perfekt gestyltes Haar – eine Rüstung gegen die Welt. Die hasserfüllten Blicke prallen ab an einer Mauer aus Ignoranz. Prada als Schutzschild, während in den Casinos von Las Vegas ein riskantes Spiel mit dem Schicksal getrieben wird. Und dann diese Visionen: Einhörner und Engel, ein Kuss am Abgrund, ein Aufstieg in einen violetten Himmel. Ein flüchtiger Moment der Erlösung, in dem die Freiheit in den Augen glitzert. Doch ist es echt? Oder nur ein weiteres Bild, projiziert von der unheimlichen Maschine? Die "Afritvél" läuft unaufhaltsam weiter, eine Metapher für eine gefährliche Suche nach Identität. Eine Geschichte von Besessenheit, von der trügerischen Verlockung der Nachahmung und dem verzweifelten Wunsch, jemand anderes zu sein. Lausche genau, denn in den elektronischen Beats und dem eindringlichen Gesang verbirgt sich eine dunkle Wahrheit über den Preis der Freiheit und die Zerbrechlichkeit des Selbst. Hier gibt es mehr Informationen zum Musikprojekt: https://www.kollektiv-magazin.com/ai-musikprojekt-dominion-protocol
von Manuel Waldner 30. Januar 2026
Vom Rockprofessor bis zur Ex-Politikerin, vom Hit-Produzenten bis zum Kinder-Entertainer: Wir waren zu Gast bei Reinhart Gabriels „Stammtisch für Kunstschaffende“. Ein Blick hinter die Kulissen einer Szene, die vor allem eines braucht: Echte Begegnung. Es ist keine gewöhnliche Podcast-Folge aus dem Wohnzimmer, wo sonst die Wäsche hängt. Diesmal sind wir mittendrin im Geschehen. Der Ort: Ein Raum voller Geschichte(n). Der Anlass: Der Stammtisch für Kunstschaffende. Hier geht es nicht um bloßes Visitenkarten-Tauschen, sondern um das Überleben und Aufblühen in einer Branche, die so hart wie herzlich sein kann. Das Ziel ist branchen- und generationenübergreifendes Netzwerken, bei dem man sofort weiß, „Wer ist wer“. Gastgeber Reinhart Gabriel hat eine klare Mission: Er schafft Räume für Begegnungen und Weiterbildung, damit Menschen voneinander lernen können. Doch was nehmen Künstlerinnen und Künstler konkret vom Stammtisch für Kunstschaffende mit? Reinhart Gabriel betont, dass es neben Theorie und Honorarnoten vor allem um das „praktische Wissen aus meinen letzten 35 Jahren in diesem Musikbusiness“ geht. Besonders am Herzen liegt ihm dabei die mentale Gesundheit: „Jede Menge Tipps und Tricks, wie man das Ganze ohne Substanzen übersteht. Dieses Business.“ Generationenübergreifender Groove Das Besondere am Stammtisch für Kunstschaffende ist der Mix: Hier trifft der Newcomer auf die Legende. Einer dieser Legendären ist Reinhold Bilgeri. Als Rockprofessor, Filmemacher und Autor hat er fast alles erreicht, doch der Antrieb ist ungebrochen. „Künstlerisch treiben mich meine Ideen, die nach wie vor herumkreisen, in meinem Kopf an“ , erzählt Bilgeri. Für ihn ist die Verbindung der Disziplinen ein Glücksfall: „Ich kann einen Roman schreiben und aus dem Roman ein Drehbuch machen [...] und dann am Schluss hast ein Film da.“. Eine Generation weiter – und doch künstlerisch verbunden – ist seine Tochter Laura Bilgeri . Nach sechs Jahren in Los Angeles hat sie im Lockdown ihre Liebe zur Musik entdeckt. Der Wechsel vom Filmset zur Musikbühne war fließend: „Alles Kreative ist wunderschön. Egal, ob es jetzt an einem Set ist [...] oder im Musikstudio“. Dennoch gibt es Unterschiede in der Nervosität. Auf die Frage, was nervenaufreibender sei – Casting oder Live-Auftritt – antwortet sie klar: „Tatsächlich ein Casting [...] Meistens sind diese Caster halt sehr emotionslos [...] Und bei einem Liveauftritt kriegst du gleich ein Feedback.“ Von der politischen Arena auf die Showbühne Einen der wohl spannendsten Karriere-Twists des Abends verkörpert Eva Glawischnig-Piesczek . Die ehemalige Spitzenpolitikerin ist heute auch musikalisch unterwegs. Hilft die Erfahrung harter politischer Debatten gegen Lampenfieber beim Singen? „Absolut. Also so exponiert zu sein wie in einem Parlament [...] In so einer richtigen Arena, in einer Kampfarena bist. Das ist schon eine Spur härter, als auf einer Musik Bühne zu stehen.“ Privat liebt sie Soul und Aretha Franklin – Musik, bei der man auch mal „Achter machen“ kann mit der Hüfte. Das Geschäft mit der Musik: Streaming, Hits und Rechte Doch Romantik allein zahlt keine Miete. Alexander Kahr , einer der erfolgreichsten Hitproduzenten des Landes, gibt Einblicke in die veränderte Realität der Musikproduktion im Streaming-Zeitalter. Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt: „Dass der Anfang nie länger wie 3 bis 4 Sekunden sein sollte [...] Sonst bist du sofort weg.“ Dennoch bleibt für Kahr eines entscheidend: Die Persönlichkeit. Die ganz Großen, so Kahr, „haben sich selber nie wichtig genommen“. Damit am Ende auch das Geld stimmt, setzen sich Menschen wie Hans Ecker (AKM-Vizepräsident) und Emanuel Treu (AKM-Vorstandsmitglied) ein. Treu, der selbst den Podcast "Der erfolgreiche Musiker hostet", sieht keinen Widerspruch zwischen Funktionärsarbeit und Kreativität. Im Gegenteil: „Ich bin eigentlich überzeugt davon, dass ich ein besseres Vorstandsmitglied bin. Deshalb, weil ich die Branche hautnah erlebe.“. Ehrliches Feedback: Kinder und der Wiener „Schmäh“ Wer wissen will, ob eine Performance wirklich funktioniert, sollte Christoph Hirschler fragen. Der Kinderentertainer und Zauberer stellt sich täglich der härtesten Jury der Welt. „Wenn es ein Kind nicht interessiert, steht auf und geht oder macht irgendwas anderes.“ Diese Schule der direkten Resonanz hilft ihm auch vor erwachsenem Publikum. Ein Publikumsliebling ganz anderer Art ist Adi Hirschal . Er hat das „Strizzi-Lied“ wieder salonfähig gemacht und sieht darin eine Antwort auf den Zeitgeist: „Die Sehnsucht nach einer Unkorrektheit, die völlig abhanden gekommen ist in der letzten Zeit, weil alles so korrekt ist und so geschniegelt.“ . Sein Rat an die Jungen? Nicht im stillen Kämmerlein bleiben, sondern „Offen zu sein.“. Wien: Mehr als Mozart W24-Journalist Gerhard Koller bestätigt beim Stammtisch für Kunstschaffende, dass Wien seinen Ruf als Weltstadt der Musik zu Recht trägt, sich aber wandelt. Es geht nicht mehr nur um Mozart und Falco. „Gerade der neue Austro Pop [...] ist ein ganz starkes Lebenszeichen.“ . Bands wie Wanda oder Bilderbuch zeigen eine „ganz moderne, neue Art des Wienerischen“. Fazit: Vernetzung ist alles Ob Bildregisseur Axel Hofmann , der live Pannen ausbügeln muss, ohne dass der Zuschauer es merkt , oder das Musik-Duo Pilat & Pross , die sich blind verstehen: Der Tenor des Abends ist eindeutig. In einer Zeit, in der vieles digital und oberflächlich läuft, ist der persönliche Kontakt Gold wert. Der Stammtisch für Kunstschaffende von Reinhart Gabriel beweist: Wenn Menschen ihre Geschichten teilen, entstehen nicht nur Netzwerke, sondern Inspiration für die Zukunft. Die Gäste dieser Ausgabe Reinhart Gabriel: Gastgeber & Seminarleiter Reinhold Bilgeri: Rockprofessor & Multimedia-Künstler Laura Bilgeri: Schauspielerin & Musikerin Hans Ecker: AKM-Vizepräsident Emanuel Treu: Songwriter, Podcaster & AKM-Vorstand Eva Glawischnig-Piesczek: Ex-Politikerin & Sängerin Gerhard Koller: Journalist (W24) Axel Hofmann: Bildregisseur Adi Hirschal: Schauspieler & Intendant Christoph Hirschler: Kinderentertainer Alexander Kahr: Musikproduzent Pilat & Pross: Musik-Duo Sonja Plöchl: Model & Bookerin Credits: Redaktion & Schnitt: Manuel Waldner | Kamera: Marcus Schwemin