KUNST IN DER GRUPPE (REPORTAGE)


Wir Künstler neigen dazu uns eigene Mikrokosmen zu schaffen in denen wir arbeiten und leben können. Aber ab und zu überkommt uns auch der Wunsch einmal Teil von etwas Größerem zu sein. Dann schließen wir uns mit anderen zu Gruppen, Arbeitsgemeinschaften, Plattformen, Kollektiven oder Vereinen zusammen. Das bringt viele Vorteile mit sich. Gemeinsam erreicht man einfach mehr. Ein größeres Publikum. Macht leichter auf sich aufmerksam und tut sich erheblich leichter mit dem Organisatorischen.


Der Nachteil ist, dass man eine Menge Kontrolle abgibt, alles teilen muss und nicht immer mit dem einverstanden ist, was der Rest der Gruppe vorhat. Die große Ernüchterung setzt ein und wir begreifen, dass wir uns, und jeder für sich, das alles ganz anders vorgestellt haben. Entweder kommen wir damit klar oder kehren in unsere kleinen Nischen zurück, überlassen das Konstrukt sich selbst und verlieren es baldestmöglich aus den Augen.


Es kommt auch vor, dass sich solche Gruppierungen institutionalisieren und von Subventionsgebern gestützte Kulturarbeit leisten. Wogegen im Grunde nichts zu sagen wäre, liefe es sich nicht am Ende darauf hinaus, dass auf einmal ein gewisser Pragmatismus gepflegt, Existenzen gesichert werden müssen, was viel Zeit und Energie kostet, Freiheiten nimmt und kreatives Potential lahm legt.


Meiner bescheidenen Erfahrung nach ist die Lebensdauer einer Initiative junger Kreativer durchschnittlich 4 - 5 Jahre. Was in etwa der Zeit entspricht in der sie die Schule verlassen und ihr Studium in Angriff nehmen, nur um sich letztlich irgendwann mit der Frage konfrontiert zu sehen, was sie schließlich mit ihrem Leben anfangen, womit sie ihr Geld verdienen wollen. Gegen Ende ebbt auch langsam jeder idealistische Eifer ab. Die Arbeit an den Projekten nimmt mit dem Erfolg zu, der organisatorische Kram überwiegt, es gibt Probleme in der Kommunikation, Interessenkonflikte etc.


Ein großes, oft unterschätztes Problem sind aber auch die Subventionen! Ich war einst Teil eines Kollektivs das sich erst den Aufwand eines Vereins nicht antun wollte und lieber auf die Kunst konzentrieren wollte. Uns wurde von der Stadt Salzburg das Angebot gemacht einige unserer Projekte finanziell zu unterstützen. Was lieb gemeint war und uns auch Vieles ermöglicht hat! Aber das Problem war, dass das Geld ja irgendwohin überwiesen werden musste und der Inhaber des entsprechenden Kontos dadurch steuerlich belastet wurde. Weshalb die Gründung eines Vereins letztlich doch unumgänglich war. Und der Teufelskreis nahm seinen Lauf... 


Mein Rat: Das Beste ist es so frei wie möglich zu bleiben und finanziell aufwändigere Projekte lieber aus der eigenen Tasche, per Fundraiser oder in Zusammenarbeit mit anderen, bereits etablierten Kulturinitiativen umzusetzen. Mit etwas Einfallsreichtum und organisatorischem Geschick lassen sich auch manche Projekte ohne großen Aufwand realisieren. Es MUSS NICHT immer alles kostspielig sein, um einen Wert zu generieren. Das sollte gute Kunst auch von allein hinbekommen! 




Wie finde ich Gleichgesinnte?


Ich habe 35 Jahre in Salzburg gelebt, einer verhältnismäßig kleinen Stadt mit viel Tourismus und Kulturschickeria. In einem solchen Umfeld ist es nicht schwer potentielle Weggefährten kennenzulernen. Man muss nur die wenigen Lokalitäten und Kulturzentren aufsuchen die noch nicht völlig überrannt von Touristen sind. Was vor allem verbindet ist die gemeinsame Problemstellung. Ein Mangel an Möglichkeiten, dem gemeinsam entgegengetreten werden kann.


Obwohl nicht ganz zu unrecht als altmodisch und verstaubt verschrien, bieten regelmäßige Stammtische einen idealen Pool für Gruppen. Solange sie nicht aus zu vielen Leuten bestehen, was die Gesprächskultur schon erheblich in Mitleidenschaft ziehen kann. Wer einen guten Draht zu Kulturzentren hat mag auch mit Veranstaltungen und Festivals Erfolg haben, die eine offene Bühne, sowie die Möglichkeit bieten, sich nachher an der Bar oder besser noch Backstage auszutauschen.


Was die Akquirierung von Locations betrifft hat sich gezeigt, dass man sich ruhig auch mal was trauen kann. Mein alter Freund und Kollege Marko Dinić machte uns 2012 eine Performance während einer John Cage-Ausstellung im Museum der Moderne klar, einfach indem er einer Eingebung folgend die Kuratorin aufsuchte und fragte, ob wir dort etwas machen durften. Mehr als "Nein" sagen konnte sie ja nicht! Mit sowas schindet man natürlich Eindruck in der Szene und macht Andere auf sich aufmerksam.


Etwas schwieriger gestaltet sich die Sache in der Großstadt. Als ich 2018 nach Wien zog stellte ich rasch fest, dass es dort viel mehr Lokale und Veranstaltungsorte gab, was die Szene im Vergleich zu Salzburg viel dezentraler machte und schwerer zu vernetzen. Auch hatte jeder bereits seine eigene Baustelle am Laufen. Es war garnicht so einfach als Außenstehender dazu zu stoßen. Man muss sich schon etwas mehr Mühe geben! Aber wenn man schon ein paar Leute kennt und mit beliebten Stammlokalen vertraut ist, kommt man der Sache schon bedeutend näher. Und zur Not kann man sich immer noch an der Uni umhören! 




Wer sind wir?


Ich war Teil von Gruppen in denen es eine klare Hierarchie gab, meist ein bis vier Leute die das große Ganze koordinierten. Manche Gruppen nahmen auch davon Abstand und es wurde lieber versucht sich gegenseitig auf Augenhöhe zu unterstützen. Ersteres Modell hat den Vorteil, dass es bereits etabliert ist, allerdings auch den Nachteil, dass sich Neuankömmlinge erst beweisen müssen und Strukturen schnell festfahren können.


Das zweite Modell ist da schon etwas freier! Da manche Künstler*innen dominanter sind als andere, führt der Mangel an klaren Strukturen aber mitunter zu kollidierenden Egos und damit verbunden rasch zu verletzten Gefühlen. Wir hatten das Problem damals so gelöst, dass sich die Hierarchien mit jedem Projekt auf's Neue bildeten, je nachdem wer in einer Situation welche Qualitäten mitbrachte. Was eine Zeit lang gut funktionierte! Bis sich am Ende ein Projekt als das erfolgreicher herausstellte und auf einmal weniger Ressourcen für die Anderen übrigblieben.


Mein Rat: Setzt eurer Gruppe von Anfang an eine Frist! Sollte sie über das Ablaufdatum hinaus gut funktionieren, kann sie ruhig weitermachen. Anhand der Frist lässt sich allerdings ablesen wie es mit der Integrität der Gruppe bestellt ist: Sehnt man schon den letzten Tag herbei, ist das ein deutliches Zeichen aufzuhören. Dasselbe gilt für den Fall, dass man die Frist kaum erwarten kann umso mehr! 


Die Rolle der Gruppe ist ebenfalls ein Thema, dass viel zu häufig unterschätzt wird. Um Spannungen zu vermeiden sollte jedem von Anfang an klar sein, mit was man es zu tun hat und sich tunlichst davor hüten von Dritten in irgendwelche Schubladen gesteckt zu werden. Denn dann läuft man Gefahr mit Erwartungshaltungen konfrontiert zu werden, die man vielleicht garnicht erfüllen möchte. Ich war beispielsweise einmal Teil einer Gruppe die von der Presse fälschlicherweise als "Literaturplattform" tituliert wurde und das obwohl wir aus allen möglichen Kunstrichtungen daherkamen. Was die Kommunikation mit Förderstellen nur unnötig erschwerte.



Kommunikation


Ich habe gelernt, dass die meisten Konflikte in der Gruppe durch mangelnde Kommunikation zustande kommen. Je mehr Leute in das Große Ganze verstrickt sind, desto schwieriger ist es auf einen grünen Zweig zu kommen. Wenn alle durcheinander reden und jeder seine Gedanken zum Thema äußern möchten - manche aber vielleicht nicht so dominant sind wie andere - reißt das die Gruppe früher oder später auseinander.


Im "Normalfall" gibt es eine klare Hierarchie, jemanden der das Sagen hat und dessen Pflicht es ist sich um Deeskalation zu bemühen. Es gibt aber auch die Möglichkeit der Supervision, einer gruppentherapeutischen Maßnahme in welcher das Gespräch von einer neutralen Person moderiert wird, die entsprechend geschult ist. Der Erfolg einer Supervision hängt allerdings auch stark von der Kompetenz des Supervisors und der Bereitschaft der Gruppe ab, sich von einem "Außenseiter", also jemandem der nur bedingt Ahnung von den Dingen hat mit denen sie sich beschäftigt, lenken zu lassen. Falscher Stolz und elitäres Denken sind bei sowas eher hinderlich!


Ich persönlich habe einmal an so einer Supervision teilgenommen und war beeindruckt davon, allerdings auch indirekt dafür verantwortlich die langjährige Beziehung zwischen Supervisor und Gruppe gesprengt zu haben. Der Verein mit dem ich zusammenarbeitete hatte ein Problem mit mir und als der Supervisor für mich Partei ergriff, hatte die Geschäftsführung beschlossen fortan nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten zu wollen. Was mich zum nächsten Punkt bringt:


Die Arbeit in der Gruppe, gerade mit Künstlern und Kulturschaffenden, erfordert es sich ein dickes Fell zuzulegen. Dabei geht es nicht mal um Konfliktvermeidung, im Gegenteil: Die Fähigkeit Konflikte vernünftig auszutragen, sich auch mal streiten zu können, zählt zu den unterschätztesten kreativen Prozesse die es gibt. Wer immer gleich alles persönlich nimmt oder glaubt seinen Kopf durchsetzen zu müssen, sich den Argumenten anderer zu verschließen, wird sich in der Gruppe nicht sonderlich wohl fühlen. Ab und zu darf auch mal gestritten, Dampf abgelassen, sich aneinander gerieben werden. Solange jedem klar ist wo die Grenzen liegen!




Vernetzung


Zuletzt noch ein paar Zeilen zum Thema Vernetzung: In einem kleinen Kuhkaff wie Salzburg kommt es rasch vor, dass man als engagierter Künstler irgendwann an seine Grenzen stößt - buchstäblich. Mindestens einmal auf jeder örtlich vorhandenen Bühne gespielt und in jedem Backstage-Raum seine obligaten Biere gezischt zu haben, macht Durst auf mehr. Ein Durst der gestillt werden will. Umso wichtiger ist es, dass man über den Tellerrand schaut, andere Städte ins Auge fasst und sich mit den Leuten dort kurzschließt. Hier zeigt sich der größte Vorteil von Gruppen: Mehr Leute kennen noch viel mehr Leute!


Nicht erst seit Anbeginn des digitalen Zeitalters gibt es auch Gruppen die gleich mehrere Punkte auf der Landkarte einschließen. Doch erleichtern die digitalen Medien die Kommunikation enorm und machen es leichter gemeinsame Aktivitäten zu organisieren, sich gegenseitig zu besuchen, auszutauschen und wer weiß, vielleicht sogar eine eigene Bewegung ins Leben zu rufen.



#FEEDBACK

von Manuel Waldner 11. Februar 2026
Willkommen zum „INFINITI“-Spezial im Kollektiv Podcast! DI Dr. Norbert Frischauf (CERN, ESA, NASA) und Host Manuel Waldner diskutieren die Space- & Science-Highlights des Jahres 2026 und beantworten eure ZuschauerInnenfragen. Nach 50 Jahren Abwesenheit kehrt die Menschheit mit der Artemis-Mission und europäischer Beteiligung endlich zum Mond zurück, um dort eine dauerhafte Präsenz als Sprungbrett für den Mars aufzubauen. Norbert Frischauf beleuchtet die faszinierende Suche nach Leben auf dem Roten Planeten, wo Methan-Vorkommen und unterirdisches Eis auf noch existierende Mikroben hindeuten könnten. Der Podcast taucht tief in die Welt der Physik ein, von der Suche nach Dunkler Materie am CERN bis hin zur kritischen Einordnung der aktuellen Hypes um Kernfusion und Mega-Raketen wie dem Starship. Auch die Grenzen der Künstlichen Intelligenz in der Forschung und die ethischen Risiken von Geoengineering werden schonungslos analysiert. Abschließend gibt es einen Ausblick auf 2026, wo neue Super-Teleskope wie das ELT und James Webb potenziell erste echte Biosignaturen auf fremden Welten entdecken könnten. 01:12 - Rückkehr zum Mond: Das europäische Servicemodul und das neue Artemis-Raumschiff 02:13 - Artemis vs. Apollo: Warum wir nach 50 Jahren wieder fliegen und was anders ist 05:05 - Wasser am Mond: Warum die Pole und der "Halo Orbit" entscheidend sind 07:58 - Sprungbrett Mars: Nuklearantriebe und der Mond als Weltraumbahnhof 11:04 - Der Mars-Rover: Technische Herausforderungen bei -80 Grad Celsius 14:10 - Leben auf dem Mars: Methan als starkes Indiz für unterirdische Mikroben 17:39 - Mega-Raketen: Sinkende Kosten durch Starship und die Grenzen der Physik 22:42 - Dunkle Materie: Was uns Gravitationslinsen und das Euklid-Teleskop verraten 25:28 - Blick ins CERN: Wie Teilchenbeschleuniger den Urknall simulieren 31:44 - KI in der Wissenschaft: Warum Klimamodelle keine "starke KI" sind 37:59 - Robotergesetze: Isaac Asimovs Regeln und die Grenzen moderner Algorithmen 39:20 - CRISPR & Genetik: Warum der medizinische Durchbruch noch Zeit braucht 41:59 - Kernfusion erklärt: Der Unterschied zwischen Laser-Fusion und Tokamak 48:44 - Der neue Super-Collider (FCC): Warum wir eine 20-Milliarden-Maschine brauchen 55:52 - Ausblick 2026: Das European Extremely Large Telescope und die Suche nach einer zweiten Erde Ihr wollt auch eine Antwort vom Profi? Schickt eure Fragen an science@kollektiv-magazin.com . Die spannendsten Einsendungen nehmen wir in die nächste Episode auf! 👉 Vergesst nicht zu abonnieren! Werdet Teil des Kollektivs und verpasst keine unserer Touren, Talks und Eskapaden mehr.
von Manuel Waldner 30. Januar 2026
Die Nächte in Reykjavík flüstern von Maschinen und Träumen. Ein Echo hallt durch die Dunkelheit: "Afrit... Afritvél..." Die "Kopiermaschine" surrt unheilvoll, bereit, mehr als nur Tinte zu übertragen. Sie saugt Sehnsüchte auf, projiziert Bilder auf eine Leinwand der Besessenheit. Eine junge Frau steht im Scheinwerferlicht ihrer Fantasie, eine Königin auf einer Bühne, die nur in ihrem Kopf existiert. Doch der Glanz trügt. Hinter der polierten Fassade brodelt eine dunkle Wahrheit. Eine unheilvolle Entdeckung in der Stille des Kopierraums. Ein Stil kopiert bis ins kleinste Detail – und mit ihm ein Schatten des Endes. Angst kriecht unter die Haut, eine unstillbare Gier nach etwas, das nicht ihr Eigen ist. Warum diese tiefe Traurigkeit im Herzen, wenn die Oberfläche doch so strahlend ist? Sie tanzt auf einem schmalen Grat zwischen Märchen und Realität, unantastbar in ihrer eigenen Welt. Der Kopf hoch erhoben, ein flüchtiger Stern am Nachthimmel. Doch das "La-La-Land", in dem sie lebt, droht zu zerbrechen, ihre Handlungen hinterlassen Spuren der Zerstörung. Ist dieser gefährliche Pfad wirklich der Weg in die Freiheit? Die Maschine flüstert weiter, verlangt nach mehr. Träume sollen kopiert, Strahlen fixiert werden. Nicht nur der Wunsch nach dem Rampenlicht, sondern das Verlangen, das innerste Wesen zu duplizieren – "Afrit, Afritvél, viltu afrita genið?" Willst du das Gen kopieren? Teure Kleider, ein perfekt gestyltes Haar – eine Rüstung gegen die Welt. Die hasserfüllten Blicke prallen ab an einer Mauer aus Ignoranz. Prada als Schutzschild, während in den Casinos von Las Vegas ein riskantes Spiel mit dem Schicksal getrieben wird. Und dann diese Visionen: Einhörner und Engel, ein Kuss am Abgrund, ein Aufstieg in einen violetten Himmel. Ein flüchtiger Moment der Erlösung, in dem die Freiheit in den Augen glitzert. Doch ist es echt? Oder nur ein weiteres Bild, projiziert von der unheimlichen Maschine? Die "Afritvél" läuft unaufhaltsam weiter, eine Metapher für eine gefährliche Suche nach Identität. Eine Geschichte von Besessenheit, von der trügerischen Verlockung der Nachahmung und dem verzweifelten Wunsch, jemand anderes zu sein. Lausche genau, denn in den elektronischen Beats und dem eindringlichen Gesang verbirgt sich eine dunkle Wahrheit über den Preis der Freiheit und die Zerbrechlichkeit des Selbst. Hier gibt es mehr Informationen zum Musikprojekt: https://www.kollektiv-magazin.com/ai-musikprojekt-dominion-protocol
von Manuel Waldner 30. Januar 2026
Vom Rockprofessor bis zur Ex-Politikerin, vom Hit-Produzenten bis zum Kinder-Entertainer: Wir waren zu Gast bei Reinhart Gabriels „Stammtisch für Kunstschaffende“. Ein Blick hinter die Kulissen einer Szene, die vor allem eines braucht: Echte Begegnung. Es ist keine gewöhnliche Podcast-Folge aus dem Wohnzimmer, wo sonst die Wäsche hängt. Diesmal sind wir mittendrin im Geschehen. Der Ort: Ein Raum voller Geschichte(n). Der Anlass: Der Stammtisch für Kunstschaffende. Hier geht es nicht um bloßes Visitenkarten-Tauschen, sondern um das Überleben und Aufblühen in einer Branche, die so hart wie herzlich sein kann. Das Ziel ist branchen- und generationenübergreifendes Netzwerken, bei dem man sofort weiß, „Wer ist wer“. Gastgeber Reinhart Gabriel hat eine klare Mission: Er schafft Räume für Begegnungen und Weiterbildung, damit Menschen voneinander lernen können. Doch was nehmen Künstlerinnen und Künstler konkret vom Stammtisch für Kunstschaffende mit? Reinhart Gabriel betont, dass es neben Theorie und Honorarnoten vor allem um das „praktische Wissen aus meinen letzten 35 Jahren in diesem Musikbusiness“ geht. Besonders am Herzen liegt ihm dabei die mentale Gesundheit: „Jede Menge Tipps und Tricks, wie man das Ganze ohne Substanzen übersteht. Dieses Business.“ Generationenübergreifender Groove Das Besondere am Stammtisch für Kunstschaffende ist der Mix: Hier trifft der Newcomer auf die Legende. Einer dieser Legendären ist Reinhold Bilgeri. Als Rockprofessor, Filmemacher und Autor hat er fast alles erreicht, doch der Antrieb ist ungebrochen. „Künstlerisch treiben mich meine Ideen, die nach wie vor herumkreisen, in meinem Kopf an“ , erzählt Bilgeri. Für ihn ist die Verbindung der Disziplinen ein Glücksfall: „Ich kann einen Roman schreiben und aus dem Roman ein Drehbuch machen [...] und dann am Schluss hast ein Film da.“. Eine Generation weiter – und doch künstlerisch verbunden – ist seine Tochter Laura Bilgeri . Nach sechs Jahren in Los Angeles hat sie im Lockdown ihre Liebe zur Musik entdeckt. Der Wechsel vom Filmset zur Musikbühne war fließend: „Alles Kreative ist wunderschön. Egal, ob es jetzt an einem Set ist [...] oder im Musikstudio“. Dennoch gibt es Unterschiede in der Nervosität. Auf die Frage, was nervenaufreibender sei – Casting oder Live-Auftritt – antwortet sie klar: „Tatsächlich ein Casting [...] Meistens sind diese Caster halt sehr emotionslos [...] Und bei einem Liveauftritt kriegst du gleich ein Feedback.“ Von der politischen Arena auf die Showbühne Einen der wohl spannendsten Karriere-Twists des Abends verkörpert Eva Glawischnig-Piesczek . Die ehemalige Spitzenpolitikerin ist heute auch musikalisch unterwegs. Hilft die Erfahrung harter politischer Debatten gegen Lampenfieber beim Singen? „Absolut. Also so exponiert zu sein wie in einem Parlament [...] In so einer richtigen Arena, in einer Kampfarena bist. Das ist schon eine Spur härter, als auf einer Musik Bühne zu stehen.“ Privat liebt sie Soul und Aretha Franklin – Musik, bei der man auch mal „Achter machen“ kann mit der Hüfte. Das Geschäft mit der Musik: Streaming, Hits und Rechte Doch Romantik allein zahlt keine Miete. Alexander Kahr , einer der erfolgreichsten Hitproduzenten des Landes, gibt Einblicke in die veränderte Realität der Musikproduktion im Streaming-Zeitalter. Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt: „Dass der Anfang nie länger wie 3 bis 4 Sekunden sein sollte [...] Sonst bist du sofort weg.“ Dennoch bleibt für Kahr eines entscheidend: Die Persönlichkeit. Die ganz Großen, so Kahr, „haben sich selber nie wichtig genommen“. Damit am Ende auch das Geld stimmt, setzen sich Menschen wie Hans Ecker (AKM-Vizepräsident) und Emanuel Treu (AKM-Vorstandsmitglied) ein. Treu, der selbst den Podcast "Der erfolgreiche Musiker hostet", sieht keinen Widerspruch zwischen Funktionärsarbeit und Kreativität. Im Gegenteil: „Ich bin eigentlich überzeugt davon, dass ich ein besseres Vorstandsmitglied bin. Deshalb, weil ich die Branche hautnah erlebe.“. Ehrliches Feedback: Kinder und der Wiener „Schmäh“ Wer wissen will, ob eine Performance wirklich funktioniert, sollte Christoph Hirschler fragen. Der Kinderentertainer und Zauberer stellt sich täglich der härtesten Jury der Welt. „Wenn es ein Kind nicht interessiert, steht auf und geht oder macht irgendwas anderes.“ Diese Schule der direkten Resonanz hilft ihm auch vor erwachsenem Publikum. Ein Publikumsliebling ganz anderer Art ist Adi Hirschal . Er hat das „Strizzi-Lied“ wieder salonfähig gemacht und sieht darin eine Antwort auf den Zeitgeist: „Die Sehnsucht nach einer Unkorrektheit, die völlig abhanden gekommen ist in der letzten Zeit, weil alles so korrekt ist und so geschniegelt.“ . Sein Rat an die Jungen? Nicht im stillen Kämmerlein bleiben, sondern „Offen zu sein.“. Wien: Mehr als Mozart W24-Journalist Gerhard Koller bestätigt beim Stammtisch für Kunstschaffende, dass Wien seinen Ruf als Weltstadt der Musik zu Recht trägt, sich aber wandelt. Es geht nicht mehr nur um Mozart und Falco. „Gerade der neue Austro Pop [...] ist ein ganz starkes Lebenszeichen.“ . Bands wie Wanda oder Bilderbuch zeigen eine „ganz moderne, neue Art des Wienerischen“. Fazit: Vernetzung ist alles Ob Bildregisseur Axel Hofmann , der live Pannen ausbügeln muss, ohne dass der Zuschauer es merkt , oder das Musik-Duo Pilat & Pross , die sich blind verstehen: Der Tenor des Abends ist eindeutig. In einer Zeit, in der vieles digital und oberflächlich läuft, ist der persönliche Kontakt Gold wert. Der Stammtisch für Kunstschaffende von Reinhart Gabriel beweist: Wenn Menschen ihre Geschichten teilen, entstehen nicht nur Netzwerke, sondern Inspiration für die Zukunft. Die Gäste dieser Ausgabe Reinhart Gabriel: Gastgeber & Seminarleiter Reinhold Bilgeri: Rockprofessor & Multimedia-Künstler Laura Bilgeri: Schauspielerin & Musikerin Hans Ecker: AKM-Vizepräsident Emanuel Treu: Songwriter, Podcaster & AKM-Vorstand Eva Glawischnig-Piesczek: Ex-Politikerin & Sängerin Gerhard Koller: Journalist (W24) Axel Hofmann: Bildregisseur Adi Hirschal: Schauspieler & Intendant Christoph Hirschler: Kinderentertainer Alexander Kahr: Musikproduzent Pilat & Pross: Musik-Duo Sonja Plöchl: Model & Bookerin Credits: Redaktion & Schnitt: Manuel Waldner | Kamera: Marcus Schwemin
von 9498f634-f807-4500-9e1c-402ffc16fceb 30. Januar 2026
DI DR. NORBERT FRISCHAUF ÜBER DAS LEBEN IM ALL!