KRIMIS UND ICH (REPORTAGE)


In meinem Hanuschplatz-Text Columbo und der Schnurrbart-Shatner (siehe hier) äußere ich mein Unverständnis darüber, wieviele Storyideen man eigentlich für einen Fernsehkrimi verbraten kann. Der Text erschien 2016/17 in der mosaik - Zeitschrift für Literatur und Kultur und wurde von den Leser*innen gut aufgenommen. 2018 zog ich nach Wien wo ich mich unter anderem als Komparse verdingte, was mir auch die eine oder andere Rolle als Polizist in einem Fernsehkrimi einbrachte. Hat diese Erfahrung etwas an meiner Meinung geändert? Jein!


Ich habe gelernt, dass es sehr wohl Spaß macht und irrsinnig interessant ist an einem Fernsehkrimi mitzuarbeiten. Eine Erfahrung die ich nicht missen möchte! Auch gehört einmal der enorme Aufwand gewürdigt der sich da angetan wird, die unglaubliche Professionalität die an den Tag gelegt wird, damit ein Rädchen ins andere greift. Die Freude an der Arbeit und das Engagement jedes Einzelnen, auch bei den widrigsten Umständen. Trotzdem würde ich lügen wenn ich behauptete, dass mir das Endergebnis immer gefällt.


Um fair zu bleiben: Fernsehkrimis waren noch nie mein Bier! Dass ich mich zu Beginn überhaupt damit beschäftigt habe liegt weniger am grundsätzlichen Interesse, als daran, dass es eben ein Teil unserer Kultur ist. Gerade wir Österreicher neigen sehr zum Morbiden und Makabren. Ein blutiger Mordfall, das ist es! Wenn auch etwas Schmäh und Sex dabei ist, umso besser!  Und ja, vom technischen Standpunkt aus gesehen sehe ich auch selten Grund zur Beanstandung. Es gibt zwar oft kleine Fehler, die fallen einem aber meist auch nur auf wenn man danach Ausschau hält oder über Insiderwissen verfügt, was bestimmte Abläufe betrifft die so in der wirklichen Welt nicht vorkommen - die Kolleg*innen von der Exekutive können davon ein Liedchen singen!


An meinen Statements aus dem Text
Columbo und der Schnurrbart-Shatner ändert das alles aber nichts. Auf der persönlichen Ebene halte ich Krimis für langweilig, weil im Grunde stets dasselbe Programm abgespielt wird. Und selbst wenn das Schema F einmal aufgebrochen wird, das Spiel bleibt immer dasselbe: Spannung wird aufgebaut und man fiebert dem Höhepunkt entgegen, wo man entweder Erlösung findet oder als trauriges Elend zurückbleibt. Insofern haben Krimis etwas von Masturbation.


An sich auch okay, sollen sich die Leute ruhig emotional einen von der Palme wedeln. Aber wo bleibt der Mehrwert? Was nehme ich mit? Gut, Fernsehkrimis neigen dieser Tage sehr wohl dazu politisch zu werden, heiße Eisen anzufassen und Problemstellungen in unserer Gesellschaft zur Sprache zu bringen die noch immer Thema sind. Das kann man ihnen zugute halten wenn man will! Auch da es sich bei ihnen, zumindest theoretisch um die Art Programm handelt, deren Zielgruppe nicht selten betroffen ist oder gar Verursacher dieser Missstände. Theoretisch! Praktisch schaut's leider so aus, als wollte die Zielgruppe lieber in Ruhe ihren Krimi schauen und ihrer trübsinnigen Realitätsflucht frönen, statt sich mit solchen "tiefgründigen Inhalten" auseinander zu setzen.




Gute Krimis - die es sehr wohl gibt - laden nicht nur zum mitfiebern, sondern mitdenken ein! Einer der Gründe warum ich Agatha Christie so mag, auch wenn ihre Geschichten über die Jahre soviele Nachahmer gefunden haben, dass sie leider schon als  abgedroschen gelten. (Auch James Cameron dürfte das Problem kennen, das aber nur am Rande!) Der routinierte Fernsehkrimi-Seher kennt die meisten Schmähs schon in und auswendig, er denkt nicht mehr groß über die Handlung nach. Viel interessanter sind für ihn die Charaktere. Was man schon allein daran erkennt, dass es meist die handelnden Personen sind über die mir Leute erzählen, selten die Fälle selbst.


Als langjähriger Autor weiß ich, dass Plots die sich auf eine vernünftige Charakterzeichnung stützen noch die interessanteren sind. Da die meisten Krimis in ihrem Aufbau aber sehr pragmatisch und zielorientiert sind bleibt oft nur wenig Zeit dafür und es wird auf die üblichen Stereotypen und ihre Variationen zurückgegriffen: Die toughe Karrierefrau und alleinerziehende Mutter die dem Feminismus alle Ehre macht. Der brummige Kommissar der zum übermäßigen Alkoholkonsum neigt und mehr Altlasten im Gepäck hat als ein Giftmülltransporter. Der schrullige Pathologe der mit seinen Leichen redet, etc. Einziges wirkliches Alleinstellungsmerkmal ist oft die übergeordnete Prämisse der Reihe: In welchem Milieu spielt sich das Ganze ab? Verfügt eine der handelnden Personen über außergewöhnliche Fähigkeiten oder eine besondere Herkunft?
 

Ein weiterer Lieblingskrimiautor von mir ist Wolf Haas, der es geschafft hat mit seinen Simon Brenner-Romanen einen originellen Charakter zu zeichnen der weder sonderlich pragmatisch, noch stereotyp ist, sondern ein tragischer Held für den scheinbare Nebensächlichkeiten schicksalhafte Konsequenzen haben können. Alles an diesen Büchern ist interessant: Die Sprache mit welcher der Ich-Erzähler die Ereignisse wiedergibt und quasi personifiziert. Die bunten Charaktere, ihr oft überraschendes Verhältnis zueinander. Die Art wie die Dinge plötzlich aus den Fugen geraten: Im einen Moment lacht man noch, im nächsten bangt man bereits um das Leben vom Brenner.

Die Integrität dieser Geschichten ist nicht vom eigentlichen Fall abhängig. Der Brenner wäre gewiss auch dann interessant zu lesen, wenn er mit Freunden auf Urlaub fahren und sich am Lago di Garda eine junge Italienerin anlachen würde. Was man von den meisten Fernsehkommissaren nicht behaupten kann. Sofern sie keine Familie haben um die sie sich kümmern müssen oder eine Liebesbeziehung die es zu pflegen gilt, wirkt es oft, als hätten sie neben der Arbeit kein eigenes Leben. Nur fade Lückenfüller: Fußball, Autos, Gesangsverein... Mag auch seine Berechtigung haben, aber warum soll ich um einen Charakter bangen der im Grunde seines Wesens nur eine Funktion erfüllt, die allzu leicht von jemand anderem übernommen werden kann? Und oft auch wird! 



Meiner Erfahrung nach haben Krimis die etwas experimentierfreudiger sind und aus den üblichen Beschränkungen ihres Genres ausbrechen die besten Chancen etwas aus sich zu machen. Erlaubt mir ein Beispiel aus der Welt des Hollywood-Blockbuster-Kinos: Die MCU (Iron Man, Hulk, Thor usw) hat ihrem Rivalen, der DCEU (Man of Steel, Wonder Woman, Aquaman usf) gegenüber einen großen Vorteil. Jeder ihrer Filme kann zwar dem Superhelden-Genre zugeordnet werden, bedient aber in sich auch ein weiteres Genre. Ant-Man: Heist Movie. Guardians of the Galaxy: Space opera. Spider-Man: Coming-of-Age. Auf diese Weise bleibt die Filmreihe relativ frisch und übersättigt nicht den Markt.

Als großer Fan britischer Produktionen begeistert mich natürlich vor allem
Sherlock. Eine Serie die nicht nur das Krimi-Genre bedient, sondern auch Elemente von Drama, Komödie, Mystery, Psycho- und Spionagethriller, Horror und mehr in sich vereint. Man könnte sogar argumentieren, dass sie designweise Spuren von Science-Fiction und Fantasy enthält. Das Stichwort lautet: Abwechslung. Nicht zugunsten der übergeordneten Storyarc versteht sich. Aber immerhin soweit, dass jede Folge für sich selbst stehen kann, ihre eigene Identität hat. Die Mischung macht's!




Was ebenfalls aufgebrochen werden sollte ist das Image der Krimiserie als Propaganda-Instrument der Polizei. Man mag von der Exekutive halten was man will, aber ich sehe das gerade dieses Thema seit dem Tod von George Floyd und dem daraus resultierenden Aufschwung der Black Lives Matter-Bewegung in den USA deutlich an Bedeutung zugelegt hat. Seitdem gibt es zahlreiche Stimmen die sich dagegen aussprechen das Bild von gewaltbereiten Polizisten und Kriminalbeamten in Filmen und Serien weiter zu glorifizieren. Von jenen die sich "im Namen der Gerechtigkeit" allzu gerne über das Gesetz stellen, ohne dafür irgendwelche Konseqenzen zu erwarten. Ergebnis dieser Kritik war unter anderem, dass die seit 1989 laufende Reality-TV-Serie COPS, die Polizisten auf ihren Einsätzen begleitete, eingestellt wurde.


Manche werden sagen: Das spielt sich in Amerika ab und hat mit uns nicht das geringste zu tun! Es gibt allerdings auch hier immer wieder sogenannte "Einzelfälle" - in den USA nennt man sie Bad Apples - die von den Medien aufgegriffen werden, man sollte die Sache also nicht auf die leichte Schulter nehmen. Es könnte auch bei uns schnell Thema werden! Ich spreche mich keineswegs dafür aus die Polizei in ihrer Grundsätzlichkeit zu verteufeln. Nur dafür etwas kritischer und konsequenter zu sein, und zu zeigen, dass Polizisten - in mehrfacher Hinsicht - auch nur Menschen sind. Nicht bloß im Sinne von "emotional" und "fehlerhaft", wie es in vielen Krimis bereits der Fall ist. Was ich meine ist: individueller!


Was uns als Menschen einzigartig macht ist nicht der Umstand, dass wir einer Gruppe - einem Amt, einer Nation oder Religion - angehören, sondern der Weg den wir als Individuen einschlagen. Die Fehler die wir machen, wie wir damit umgehen, daraus lernen, die Konsequenzen die wir tragen oder auch nicht. Die Entscheidungen die wir treffen und unsere Beziehung zu anderen, manchmal auch fremden Personen. Ein guter Charakter ist nicht bloß teil einer Geschichte, er HAT eine Geschichte und diese sollte es wert sein danach zu fragen. Ob man die Zeit findet sie einzuarbeiten oder nicht ist nebensächlich, solange man in der Lage ist zu vermitteln, dass sie da ist.


Um die Prinzipien von Sir Robert Peel (1788 - 1850) zu zitieren, dem Begründer der modernen Polizeiarbeit im Vereinten Königreich - wo die Beamten nach ihm "Bobbies" benannt wurden:
"To maintain at all times a relationship with the public that gives reality to the historic tradition that the police are the public and that the public are the police, the police being only members of the public who are paid to give full-time attention to duties which are incumbent on every citizen in the interests of community welfare and existence." 


Es geht nicht darum "bürgernah" zu sein - Polizisten SIND Bürger! Bürger allerdings die es sich zur Aufgabe gemacht haben Anderen zu helfen und dafür ein hartes Training auf sich genommen haben. Spricht ihnen das die Fähigkeit ab mehr zu sein als ein Mitglied der Exekutive? Ein Interessantes Leben außerhalb ihres Berufsfeldes zu führen, sich mit spannenden Dingen zu beschäftigen die nicht mit Mord und Todschlag zu tun haben? Nein! Und diese Dinge sind auch wichtig!


Es muss um etwas gehen, etwas auf dem Spiel stehen das Bedeutung hat! Umso stärker und lebensbejahender es ist, desto tragischer und welterschütternder der Verlust. Der Tod eines Kindes mag uns zutiefst schockieren, ist als Motiv aber inflationär gebrauchte Effekthascherei. Der Tod eines Kindes das wir kennen, das uns angelächelt und einen Witz erzählt hat, das eine Geschichte und eine Persönlichkeit hat, trifft uns viel tiefer und nachhaltiger. Es schmerzt darüber nachzudenken, dass man dieses Lachen nie mehr hören wird. Darüber nachzudenken, was aus dem Kind noch hätte werden können. Darüber nachzudenken, wie einfach es für den Täter war etwas zu zerstören, dass so stark, richtig und strahlend schien. Eben war es noch da. Und ganz plötzlich, wie aus dem Nichts, ist es vorbei...

#FEEDBACK

von Peter.W. 24. Februar 2026
2019 wurde auf 4chan dazu aufgerufen Fotos zu posten, die folgenden Kriterien entsprechen sollten: "disquieting images that just feel 'off'" Am 18. Mai reichte ein anonymer User das Foto eines unwirtlichen gelben Korridors ein, das bereits seit mindestens 2011 im Netz kursierte. Dieses wurde am darauffolgenden Tag von einem anonymen User um den Namen Backrooms und folgende Creepypasta ergänzt: If you're not careful and you noclip out of reality in the wrong areas, you'll end up in the Backrooms, where it's nothing but the stink of old moist carpet, the madness of mono-yellow, the endless background noise of fluorescent lights at maximum hum-buzz, and approximately six hundred million square miles of randomly segmented empty rooms to be trapped in God save you if you hear something wandering around nearby, because it sure as hell has heard you. Von da an ging eine Welle der Inspiration durch's Netz. Fans bauten weiter auf dem Mythos auf, kreierten ihre eigenen Bilder, Geschichten, Spiele und Filme. Diverse Internethorror-Channels berichteten über das Phänomen und auch wir vom Kollektiv-Magazin stellten die Backrooms im August 2021 in unserem Artikel Dark Oddities # 13 vor und kamen sogar auf das zugrundeliegende Konzept der Liminal Spaces zu sprechen. Den wirklichen Durchbruch schafften die Backrooms aber am 1. Februar 2022, als der damals 16-jährige Filmemacher und VFX-Artist Kane Parsons aka Kane Pixels das Erste einer ganzen Reihe von Analog Horror-Videos veröffentlichte: "The Backrooms (Found Footage)". Das raffiniert gemachte Nischenprojekt avancierte rasch zur viralen Sensation. Innerhalb eines Monats wurde es 13 Millionen mal angeklickt. Und die Massen hungerten nach mehr!
von Manuel Waldner 11. Februar 2026
Willkommen zum „INFINITI“-Spezial im Kollektiv Podcast! DI Dr. Norbert Frischauf (CERN, ESA, NASA) und Host Manuel Waldner diskutieren die Space- & Science-Highlights des Jahres 2026 und beantworten eure ZuschauerInnenfragen. Nach 50 Jahren Abwesenheit kehrt die Menschheit mit der Artemis-Mission und europäischer Beteiligung endlich zum Mond zurück, um dort eine dauerhafte Präsenz als Sprungbrett für den Mars aufzubauen. Norbert Frischauf beleuchtet die faszinierende Suche nach Leben auf dem Roten Planeten, wo Methan-Vorkommen und unterirdisches Eis auf noch existierende Mikroben hindeuten könnten. Der Podcast taucht tief in die Welt der Physik ein, von der Suche nach Dunkler Materie am CERN bis hin zur kritischen Einordnung der aktuellen Hypes um Kernfusion und Mega-Raketen wie dem Starship. Auch die Grenzen der Künstlichen Intelligenz in der Forschung und die ethischen Risiken von Geoengineering werden schonungslos analysiert. Abschließend gibt es einen Ausblick auf 2026, wo neue Super-Teleskope wie das ELT und James Webb potenziell erste echte Biosignaturen auf fremden Welten entdecken könnten. 01:12 - Rückkehr zum Mond: Das europäische Servicemodul und das neue Artemis-Raumschiff 02:13 - Artemis vs. Apollo: Warum wir nach 50 Jahren wieder fliegen und was anders ist 05:05 - Wasser am Mond: Warum die Pole und der "Halo Orbit" entscheidend sind 07:58 - Sprungbrett Mars: Nuklearantriebe und der Mond als Weltraumbahnhof 11:04 - Der Mars-Rover: Technische Herausforderungen bei -80 Grad Celsius 14:10 - Leben auf dem Mars: Methan als starkes Indiz für unterirdische Mikroben 17:39 - Mega-Raketen: Sinkende Kosten durch Starship und die Grenzen der Physik 22:42 - Dunkle Materie: Was uns Gravitationslinsen und das Euklid-Teleskop verraten 25:28 - Blick ins CERN: Wie Teilchenbeschleuniger den Urknall simulieren 31:44 - KI in der Wissenschaft: Warum Klimamodelle keine "starke KI" sind 37:59 - Robotergesetze: Isaac Asimovs Regeln und die Grenzen moderner Algorithmen 39:20 - CRISPR & Genetik: Warum der medizinische Durchbruch noch Zeit braucht 41:59 - Kernfusion erklärt: Der Unterschied zwischen Laser-Fusion und Tokamak 48:44 - Der neue Super-Collider (FCC): Warum wir eine 20-Milliarden-Maschine brauchen 55:52 - Ausblick 2026: Das European Extremely Large Telescope und die Suche nach einer zweiten Erde Ihr wollt auch eine Antwort vom Profi? Schickt eure Fragen an science@kollektiv-magazin.com . Die spannendsten Einsendungen nehmen wir in die nächste Episode auf! 👉 Vergesst nicht zu abonnieren! Werdet Teil des Kollektivs und verpasst keine unserer Touren, Talks und Eskapaden mehr.
von Manuel Waldner 30. Januar 2026
Die Nächte in Reykjavík flüstern von Maschinen und Träumen. Ein Echo hallt durch die Dunkelheit: "Afrit... Afritvél..." Die "Kopiermaschine" surrt unheilvoll, bereit, mehr als nur Tinte zu übertragen. Sie saugt Sehnsüchte auf, projiziert Bilder auf eine Leinwand der Besessenheit. Eine junge Frau steht im Scheinwerferlicht ihrer Fantasie, eine Königin auf einer Bühne, die nur in ihrem Kopf existiert. Doch der Glanz trügt. Hinter der polierten Fassade brodelt eine dunkle Wahrheit. Eine unheilvolle Entdeckung in der Stille des Kopierraums. Ein Stil kopiert bis ins kleinste Detail – und mit ihm ein Schatten des Endes. Angst kriecht unter die Haut, eine unstillbare Gier nach etwas, das nicht ihr Eigen ist. Warum diese tiefe Traurigkeit im Herzen, wenn die Oberfläche doch so strahlend ist? Sie tanzt auf einem schmalen Grat zwischen Märchen und Realität, unantastbar in ihrer eigenen Welt. Der Kopf hoch erhoben, ein flüchtiger Stern am Nachthimmel. Doch das "La-La-Land", in dem sie lebt, droht zu zerbrechen, ihre Handlungen hinterlassen Spuren der Zerstörung. Ist dieser gefährliche Pfad wirklich der Weg in die Freiheit? Die Maschine flüstert weiter, verlangt nach mehr. Träume sollen kopiert, Strahlen fixiert werden. Nicht nur der Wunsch nach dem Rampenlicht, sondern das Verlangen, das innerste Wesen zu duplizieren – "Afrit, Afritvél, viltu afrita genið?" Willst du das Gen kopieren? Teure Kleider, ein perfekt gestyltes Haar – eine Rüstung gegen die Welt. Die hasserfüllten Blicke prallen ab an einer Mauer aus Ignoranz. Prada als Schutzschild, während in den Casinos von Las Vegas ein riskantes Spiel mit dem Schicksal getrieben wird. Und dann diese Visionen: Einhörner und Engel, ein Kuss am Abgrund, ein Aufstieg in einen violetten Himmel. Ein flüchtiger Moment der Erlösung, in dem die Freiheit in den Augen glitzert. Doch ist es echt? Oder nur ein weiteres Bild, projiziert von der unheimlichen Maschine? Die "Afritvél" läuft unaufhaltsam weiter, eine Metapher für eine gefährliche Suche nach Identität. Eine Geschichte von Besessenheit, von der trügerischen Verlockung der Nachahmung und dem verzweifelten Wunsch, jemand anderes zu sein. Lausche genau, denn in den elektronischen Beats und dem eindringlichen Gesang verbirgt sich eine dunkle Wahrheit über den Preis der Freiheit und die Zerbrechlichkeit des Selbst. Hier gibt es mehr Informationen zum Musikprojekt: https://www.kollektiv-magazin.com/ai-musikprojekt-dominion-protocol
von Manuel Waldner 30. Januar 2026
Vom Rockprofessor bis zur Ex-Politikerin, vom Hit-Produzenten bis zum Kinder-Entertainer: Wir waren zu Gast bei Reinhart Gabriels „Stammtisch für Kunstschaffende“. Ein Blick hinter die Kulissen einer Szene, die vor allem eines braucht: Echte Begegnung. Es ist keine gewöhnliche Podcast-Folge aus dem Wohnzimmer, wo sonst die Wäsche hängt. Diesmal sind wir mittendrin im Geschehen. Der Ort: Ein Raum voller Geschichte(n). Der Anlass: Der Stammtisch für Kunstschaffende. Hier geht es nicht um bloßes Visitenkarten-Tauschen, sondern um das Überleben und Aufblühen in einer Branche, die so hart wie herzlich sein kann. Das Ziel ist branchen- und generationenübergreifendes Netzwerken, bei dem man sofort weiß, „Wer ist wer“. Gastgeber Reinhart Gabriel hat eine klare Mission: Er schafft Räume für Begegnungen und Weiterbildung, damit Menschen voneinander lernen können. Doch was nehmen Künstlerinnen und Künstler konkret vom Stammtisch für Kunstschaffende mit? Reinhart Gabriel betont, dass es neben Theorie und Honorarnoten vor allem um das „praktische Wissen aus meinen letzten 35 Jahren in diesem Musikbusiness“ geht. Besonders am Herzen liegt ihm dabei die mentale Gesundheit: „Jede Menge Tipps und Tricks, wie man das Ganze ohne Substanzen übersteht. Dieses Business.“ Generationenübergreifender Groove Das Besondere am Stammtisch für Kunstschaffende ist der Mix: Hier trifft der Newcomer auf die Legende. Einer dieser Legendären ist Reinhold Bilgeri. Als Rockprofessor, Filmemacher und Autor hat er fast alles erreicht, doch der Antrieb ist ungebrochen. „Künstlerisch treiben mich meine Ideen, die nach wie vor herumkreisen, in meinem Kopf an“ , erzählt Bilgeri. Für ihn ist die Verbindung der Disziplinen ein Glücksfall: „Ich kann einen Roman schreiben und aus dem Roman ein Drehbuch machen [...] und dann am Schluss hast ein Film da.“. Eine Generation weiter – und doch künstlerisch verbunden – ist seine Tochter Laura Bilgeri . Nach sechs Jahren in Los Angeles hat sie im Lockdown ihre Liebe zur Musik entdeckt. Der Wechsel vom Filmset zur Musikbühne war fließend: „Alles Kreative ist wunderschön. Egal, ob es jetzt an einem Set ist [...] oder im Musikstudio“. Dennoch gibt es Unterschiede in der Nervosität. Auf die Frage, was nervenaufreibender sei – Casting oder Live-Auftritt – antwortet sie klar: „Tatsächlich ein Casting [...] Meistens sind diese Caster halt sehr emotionslos [...] Und bei einem Liveauftritt kriegst du gleich ein Feedback.“ Von der politischen Arena auf die Showbühne Einen der wohl spannendsten Karriere-Twists des Abends verkörpert Eva Glawischnig-Piesczek . Die ehemalige Spitzenpolitikerin ist heute auch musikalisch unterwegs. Hilft die Erfahrung harter politischer Debatten gegen Lampenfieber beim Singen? „Absolut. Also so exponiert zu sein wie in einem Parlament [...] In so einer richtigen Arena, in einer Kampfarena bist. Das ist schon eine Spur härter, als auf einer Musik Bühne zu stehen.“ Privat liebt sie Soul und Aretha Franklin – Musik, bei der man auch mal „Achter machen“ kann mit der Hüfte. Das Geschäft mit der Musik: Streaming, Hits und Rechte Doch Romantik allein zahlt keine Miete. Alexander Kahr , einer der erfolgreichsten Hitproduzenten des Landes, gibt Einblicke in die veränderte Realität der Musikproduktion im Streaming-Zeitalter. Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt: „Dass der Anfang nie länger wie 3 bis 4 Sekunden sein sollte [...] Sonst bist du sofort weg.“ Dennoch bleibt für Kahr eines entscheidend: Die Persönlichkeit. Die ganz Großen, so Kahr, „haben sich selber nie wichtig genommen“. Damit am Ende auch das Geld stimmt, setzen sich Menschen wie Hans Ecker (AKM-Vizepräsident) und Emanuel Treu (AKM-Vorstandsmitglied) ein. Treu, der selbst den Podcast "Der erfolgreiche Musiker hostet", sieht keinen Widerspruch zwischen Funktionärsarbeit und Kreativität. Im Gegenteil: „Ich bin eigentlich überzeugt davon, dass ich ein besseres Vorstandsmitglied bin. Deshalb, weil ich die Branche hautnah erlebe.“. Ehrliches Feedback: Kinder und der Wiener „Schmäh“ Wer wissen will, ob eine Performance wirklich funktioniert, sollte Christoph Hirschler fragen. Der Kinderentertainer und Zauberer stellt sich täglich der härtesten Jury der Welt. „Wenn es ein Kind nicht interessiert, steht auf und geht oder macht irgendwas anderes.“ Diese Schule der direkten Resonanz hilft ihm auch vor erwachsenem Publikum. Ein Publikumsliebling ganz anderer Art ist Adi Hirschal . Er hat das „Strizzi-Lied“ wieder salonfähig gemacht und sieht darin eine Antwort auf den Zeitgeist: „Die Sehnsucht nach einer Unkorrektheit, die völlig abhanden gekommen ist in der letzten Zeit, weil alles so korrekt ist und so geschniegelt.“ . Sein Rat an die Jungen? Nicht im stillen Kämmerlein bleiben, sondern „Offen zu sein.“. Wien: Mehr als Mozart W24-Journalist Gerhard Koller bestätigt beim Stammtisch für Kunstschaffende, dass Wien seinen Ruf als Weltstadt der Musik zu Recht trägt, sich aber wandelt. Es geht nicht mehr nur um Mozart und Falco. „Gerade der neue Austro Pop [...] ist ein ganz starkes Lebenszeichen.“ . Bands wie Wanda oder Bilderbuch zeigen eine „ganz moderne, neue Art des Wienerischen“. Fazit: Vernetzung ist alles Ob Bildregisseur Axel Hofmann , der live Pannen ausbügeln muss, ohne dass der Zuschauer es merkt , oder das Musik-Duo Pilat & Pross , die sich blind verstehen: Der Tenor des Abends ist eindeutig. In einer Zeit, in der vieles digital und oberflächlich läuft, ist der persönliche Kontakt Gold wert. Der Stammtisch für Kunstschaffende von Reinhart Gabriel beweist: Wenn Menschen ihre Geschichten teilen, entstehen nicht nur Netzwerke, sondern Inspiration für die Zukunft. Die Gäste dieser Ausgabe Reinhart Gabriel: Gastgeber & Seminarleiter Reinhold Bilgeri: Rockprofessor & Multimedia-Künstler Laura Bilgeri: Schauspielerin & Musikerin Hans Ecker: AKM-Vizepräsident Emanuel Treu: Songwriter, Podcaster & AKM-Vorstand Eva Glawischnig-Piesczek: Ex-Politikerin & Sängerin Gerhard Koller: Journalist (W24) Axel Hofmann: Bildregisseur Adi Hirschal: Schauspieler & Intendant Christoph Hirschler: Kinderentertainer Alexander Kahr: Musikproduzent Pilat & Pross: Musik-Duo Sonja Plöchl: Model & Bookerin Credits: Redaktion & Schnitt: Manuel Waldner | Kamera: Marcus Schwemin