DARK ODDITIES #1

Disclaimer: Die hier gezeigten Beiträge enthalten zum Teil erschreckendes, verstörendes Material und schnelle Lichtwechsel die möglicherweise epileptische Anfälle auslösen können. 

aus der Reihe Poradnik Uśmiechu aka Smile Guide des polnischen Youtube-Channels KrainaGrzybowTV






Prolog


Vor Kurzem bat mich der Kollege Waldner einen Beitrag für Halloween zu schreiben, was ich dann auch tat. Ich brachte den Youtube-Channel Local58 zur Sprache, über den ich selbst von The Film Theorists erfahren habe, deren interessante und vor allem wissenschaftlich fundierten Beiträge ich sehr schätze. Bei meinen Recherchen für den Beitrag stieß ich unerwartet auf einen ganzen Haufen weiterer, sehr gruseliger, verstörender und mysteriöser Inhalte aus den Tiefen des Internets und darüber hinaus. Dinge die ich nicht für möglich gehalten habe und die mir seitdem den Schlaf rauben. Normalerweise bin ich nicht so der Fan von verstörenden Inhalten! Sie neigen selten zu Mehrwert und ihr Unterhaltungswert ist mehr als fraglich. Ich kam diesmal aber nicht umhin durchaus kreatives Potential in diesen Beiträgen vorzufinden, das mich sehr fasziniert und inspiriert hat. Aus diesem Grund habe ich diese neue Reihe ins Leben gerufen, möchte euch aber nochmals vorwarnen; Das hier gezeigte Material ist nichts für schwache Nerven! Fangen wir vielleicht mit etwas leichterer Kost an...






The Beatles - Everyday Chemistry


2009 tauchte ein angeblich bisher unveröffentlichtes Album der Beatles namens Everyday Chemistry auf, das von einem gewissen James Richards "gefunden" wurde. Richards gab an bei der Suche nach seinem Hund im Del Puerto Canyon, Kalifornien gestolpert zu sein, sich den Kopf angeschlagen und das Bewusstsein verloren zu haben. Als er aufwachte fand er sich in einer fremden Wohnung wieder, die einem Mann namens Jonas gehörte, der ihm das Leben gerettet hatte. Wie sich herausstellte war Jonas ein transdimensionaler Reisender und Richards in ein Paralleluniversum gebracht worden. In den Regalen fand er neben einigen merkwürdigen Büchern, CDs und Tapes auch die Kopie des Beatles-Albums Everyday Chemistry das ihm natürlich fremd war, denn hier hatte sich die vierköpfige Band aus Liverpool im Jahr 1970 NICHT aufgelöst. Richards stahl das Album und Jonas brachte ihn zurück in seine Welt. Die ganze Geschichte kann man hier lesen!


Das Mysterium hinter dem Album hat zweifelsohne zu ihrem Kultstatus beigetragen. Viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass es sich bei den darauf enthaltenen Tracks um Mashups von Solomaterial handelt, an dem die einzelnen Mitglieder der Beatles nach ihrer Trennung arbeiteten, was auch durch einige der Breakbeat-Elemente unterstrichen wird, die im Laufe des Albums immer stärker zum Vorschein treten und für die 1970er eher ungewöhnlich sind. 


Da aber nie ganz geklärt werden konnte wer wirklich hinter dem Album steckte, mehren sich auch weiterhin Theorien, dass an Richards' Geschichte etwas dran sein könnte. Laut Wikipedia handelt es sich bei James Richards lediglich um ein Pseudonym das sich aus den echten Vornamen der einzigen überlebenden Beatles (James) Paul McCartney und Ringo Starr aka Richard Starkey ergibt. (Mir persönlich fiele dazu auch noch Richard D. James aka Aphex Twin ein.) Nichtsdestotrotz hört sich das Album sehr gut an und ist einer näheren Begutachtung auf jeden Fall wert...







Randonautica


In einfachen Worten: Randonautica ist eine App die am 22. Februar 2020 in Amerika online ging. Sie generiert scheinbar zufällige Koordinaten in der näheren Umgebung, die man aufsuchen kann, um interessante Dinge zu erleben oder Sonderbares zu entdecken. Die Auswahl dieser Koordinaten soll allerdings nicht wahllos, sondern an den Erwartungen der User und Daten über Quantenphänomene der Australian National University gekoppelt sein. Inspiriert wurde das Projekt durch die Chaos-Theorie und Guy Debord's Theorie des Spektakels. Darüber hinaus stellt Randonautica keinen Anspruch darauf akademisch akkurat zu sein.


Für Viele war Randonautica ein lustiges Spiel und eine willkommene Möglichkeit sich die Zeit während der Corona-Krise 2020 zu vertreiben. Es kam aber auch zu einigen sehr verstörenden Ereignissen die von Nutzern der Plattformen TikTok und Reddit rasch übers Internet verteilt wurden. Der bekannteste Vorfall drehte sich um eine Gruppe von Freunden die von der App an einen Strand in West Seattle geführt wurden, wo sie über eine Tasche stolperten in der sich die sterblichen Überreste zweier Mordopfer befanden. Der Erfinder der App Joshua Lengfelder war geschockt über die vielen Vorfälle die Randonautica ausgelöst hatte, sprach aber von unglücklichen Zufällen. Was durchaus im Bereich des Möglichen liegt: Denn je mehr Leute die App benutzen, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Zwischenfall kommt. Trotzdem sollte man bei einem Selbstversuch äusserste Vorsicht walten lassen - man weiß ja nie!








Subculture.com


Als ich mich in den frühen 2000er Jahren zunehmend ins Internet vertiefte stolperte ich gelegentlich über den einen oder anderen rätselhaften Content der mich irritierte und verstörte. Was ich damals nicht wusste war, dass es gerade die Blütezeit der Net art war, einer relativ neuen Kunstform welche sich die Möglichkeiten des Internet und der Programmierung zunutze machte. In der Zeit um die Anschläge vom 11. September 2001 herum entdeckte ich die Seite subculture.com die mich nicht nur schockierte, sondern regelrecht in Panik versetzte. Denn nicht nur wurde ich mit verzerrten pornografischen und blutrünstigen Bildern und lautem markerschütternden Klängen konfrontiert. Meine Versuche die Seite zu schließen führten auch dazu, dass Browserfenster aufpoppten, die sich nicht schließen ließen, wild herumsprangen und für noch mehr Chaos sorgten. Ich befürchtete mir eine Art Virus eingefangen zu haben, der mich mit antiamerikanischer Propaganda von irgendwelchen Terroristen bombardierte. 


Zum Glück befand ich mich in der Anwesenheit von Profis, die das Problem mit Strg+Alt+Entf rasch lösten und einen Virenscan vornahmen der aber nichts finden konnte. Ich fand später heraus, dass es sich bei Subculture.com um ein kritisches und satirisches Kunstprojekt von Antonio Mendoza handelt und der Schock den mir seine Seite verpasst hat durchaus intendiert war. Die Seite ist immer noch online und ihre anarchistische Codierung massiv heruntergefahren, sodass man sich bei weitem leichter tut die Fenster wieder zu schließen. Sie enthält aber nach wie vor explizite Bilder von Pornografie, Gewalt, Tod und anderen, möglicherweise kontroversiellen Themen die uns bisher nicht aufgefallen sind - die Seite zeigt nicht immer dieselben Bilder an. wir raten LeserInnen mit schwachen Nerven daher ab sich dort umzusehen.









KrainaGrzybowTV



KrainaGrzybowTV ist ein polnischer Youtube-Channel im an sich schon gruseligen Stil der 1980er Jahre im Ostblock gehalten. Zu seinen bekanntesten Beiträgen zählt die haarsträubende Reihe Poradnik Uśmiechu und What was the COTN incident? Entgegen ihres Designs sind die darauf enthaltenen Videos in den frühen 2010er Jahren entstanden. Verantwortlich hierfür zeichnete der Filmemacher, Musiker und Content creator Wiktor Stribog.


In Poradnik Uśmiechu - auch bekannt als Smile Guide - geht es um eine junge Frau namens Agatha die in Begleitung einiger sehr merkwürdiger Gestalten wie dem animierten Eichhörnchen Maggie eine Art Kindershow moderiert, die allerdings alles andere als kindergerecht ist. Eine Demonstration wie mit Äpfeln zu verfahren ist spiegelt eine dunkle Ahnung von Gewalt und Vergewaltigung wieder. In alptraumhaften Sequenzen voller Innuendos, Drogenfantasien und scheinbar kompletten Nonsense begleiten wir Agatha auf ihrem Leidensweg auf der Suche nach Erlösung, dieweil ihre Mutter im Schatten über die Ereignisse im Hintergrund berichtet.


Wiktor Stribog's Welt ist bizarr, aber mit Liebe zum Detail und viel kreativer Energie geschaffen. Auf jeden Fall einen näheren Blick, auch wenn man nicht wie ich den Fehler machen sollte sich das Ganze nachts anzusehen. Auch hier raten wir LeserInnen mit schwachen Nerven davon ab sich das anzusehen!


#FEEDBACK

von Manuel Waldner 15. Januar 2026
Der Text von "Nóttin talar" (Die Nacht spricht) drückt tiefe Traurigkeit und den Wunsch aus, in die Vergangenheit zurückzukehren. Bilder wie ein versteckter Pfad und ein grauer Spiegel deuten auf eine Innenschau und den Wunsch hin, zur Vergangenheit zurückzukehren. Der Sänger spricht von Erinnerungen, die wie Glut brennen, und unausgesprochenen Worten, und fragt sich, ob Antworten in einer anderen Zeit existieren. Es gibt ein starkes Gefühl der Schuld und den Wunsch, vergangene Fehler ungeschehen zu machen, wobei wiederholt darum gebeten wird, Í GEGNUM TÍMANN (durch die Zeit) zurückzukehren, um Dinge zu reparieren. Das Vergehen der Zeit wird durch fallende Tage und stille Tränen dargestellt, was hervorhebt, dass die Zeit nicht umgekehrt werden kann. Der Sänger träumt von einer zweiten Chance, präsent und liebevoll zu sein. Auch wenn eine Rückkehr unmöglich sein mag und der Schmerz persönlich ist, bleibt die Hoffnung, Dinge richtigzustellen. Das Musikvideo, das drei junge Männer beim Spaß zeigt, steht im Kontrast zu diesen traurigen Texten. Es scheint hervorzuheben, wie schnell die Jugend und diese unbeschwerten Zeiten vergehen und wie Handlungen in der Jugend später zu Bedauern führen können. Die Freude im Video repräsentiert eine Zeit, die nicht zurückgebracht werden kann, und die Texte deuten darauf hin, dass die jungen Männer eines Tages zurückblicken und sich wünschen könnten, sie hätten Dinge anders gemacht. Der Unterschied zwischen den fröhlichen Bildern und den traurigen Worten betont, wie die Zeit vergeht und wie unsere vergangenen Handlungen uns belasten können. Hier gibt es mehr Informationen zum Musikprojekt: https://www.kollektiv-magazin.com/ai-musikprojekt-dominion-protocol
von Manuel Waldner 15. Januar 2026
COCO BARICZ | ARTISTIN | COMEDIAN
von Manuel Waldner 12. Januar 2026
Eigentlich stehen sie in der zweiten Reihe und halten den großen Stars des Landes den Rücken frei. Doch wenn Thommy Pilat und David Pross gemeinsam die Bühne betreten, gehört das Rampenlicht ganz allein ihnen – und ihrem unnachahmlichen Mix aus virtuoser Musik und Wiener Kleinkunst. Wien, 15. Bezirk. Das „Tschocherl“ ist eigentlich ein Ort für die kleinen Momente, doch an diesem Abend wirkt es fast zu klein für die geballte Präsenz, die da auf der Bühne steht. Thommy Pilat und David Pross haben geladen. Wer die beiden kennt, weiß: Hier geht es nicht nur um Noten, hier geht es um das „G’fühl“. Die Edel-Dienstleister treten vor Normalerweise sind die beiden das, was man in der Branche respektvoll „Jobmusiker“ nennt. Hochkarätige Profis, die gebucht werden, wenn der Sound perfekt sitzen muss. Ob als Begleitmusiker für namhafte Austropop-Größen oder in diversen Studioformationen – Pilat und Pross haben in der heimischen Szene längst ihre Spuren hinterlassen. Doch das Duo-Projekt ist ihr Herzstück, ihre kreative Spielwiese. Hier erfüllen sie sich den Traum, die großen Gesten der Popwelt gegen die Intimität der Kleinkunst einzutauschen. Das Ergebnis ist eine Melange aus anspruchsvollem Repertoire und einem Unterhaltungswert, der oft an klassisches Kabarett grenzt. Zwei Originale: Wer sind die Männer hinter den Instrumenten? Thommy Pilat ist in Wien kein Unbekannter. Als Sänger und Gitarrist steht er normalerweise seiner eigenen Formation „Thommy Pilat & Band – Die JÄGER“ vor. Er beherrscht die Kunst, Gefühle in seine Stimme zu legen, ohne dabei ins Kitschige abzugleiten. Im Duo mit Pross übernimmt er den Part des charmanten Erzählers, dessen Gitarrenspiel so präzise wie gefühlvoll ist. David Pross hingegen ist das musikalische Schweizer Taschenmesser des Duos. „Der David kann leider jedes Instrument spielen“, scherzt ein Gast im Video – und trifft damit den Kern. Ob am Bass, am Klavier oder mit seiner markanten Stimme, die jedes Cover zu einem eigenen Song macht: Pross ist ein Vollblutmusiker durch und durch. Seine Vita ist geprägt von der Zusammenarbeit mit zahlreichen Künstlern der Wiener Szene, wobei er oft auch als Produzent und Arrangeur im Hintergrund die Fäden zieht. „Die zwei Bladen“ und der Asterix-Faktor Was den Abend im Tschocherl so besonders macht, ist die Authentizität. Die beiden nehmen sich selbst nicht zu ernst. Mit einer ordentlichen Portion Wiener Schmäh wird über das eigene Gewicht gefrotzelt – ein Insider-Witz, der sogar zu dem (inoffiziellen) Arbeitstitel „Die zwei Bladen“ führte, initiiert von ihren eigenen Partnerinnen. Vergleiche mit Asterix und Obelix oder einem „Brad Pitt in Troja“ (mit einem Augenzwinkern) fliegen durch den Raum. Es ist diese Mischung aus Selbstironie und musikalischer Perfektion, die das Publikum abholt. Man hört Klassiker wie „Ohne Dich schlaf ich heut Nacht nicht ein“ oder „Marlene“, doch in der Interpretation von Pilat & Pross klingen sie nicht nach Kopie, sondern nach einer ehrlichen Hommage. Ein Abend für die Seele Das Fazit der Zuschauer ist eindeutig: „Sensationell“, „authentisch“, „einfach nur geil“. Es ist die Chemie zwischen den beiden „Männern im besten Alter“, wie es ein Fan ausdrückt, die den Funken überspringen lässt. Wenn sie am Ende des Abends „Free Falling“ anstimmen, dann glaubt man ihnen das aufs Wort. Pilat & Pross beweisen, dass man nicht immer die großen Stadien braucht, um große Kunst zu machen. Manchmal reicht ein kleines Lokal im 15. Bezirk, zwei Instrumente und zwei Musiker, die genau wissen, wer sie sind – und was sie können.
von Manuel Waldner 19. November 2025
NASA-BILDERGALERIE: https://science.nasa.gov/solar-system/comets/3i-atlas/comet-3i-atlas-image-gallery/