TEUFEL'S WERK (UND BEACH BOYS' BEITRAG)



Hin und wieder stolpert man über ein Lied oder Kunstwerk, das einem eigentlich ganz gut gefällt. Bis man die Geschichte dahinter erfährt und sich mit einem Mal ganz dreckig fühlt. Das Gemeine ist, dass einem sowas schneller passieren kann als man ahnt und vor allem aus dem Repertoire von Künstlern heraus, bei denen man sowas nie für möglich gehalten hätte. Nehmen wir beispielsweise das Stück "Never Learn Not To Love" von den Beach Boys, erschienen auf ihrem fünfzehnten Studioalbum 20/20 von 1969...






Ein nettes Nümmerchen das die Beach Boys da abgeliefert haben! Allein vom Hören könnte man nicht auf die Idee kommen, welche monströsen Ereignisse mit seiner Entstehung verbunden sind. Alles hatte damit begonnen, dass Dennis Wilson im Sommer 1968 einen jungen, aufstrebenden Singer-Songwriter namens Charley kennengelernt hatte, mit dem er sich bald befreundete. Er verschaffte ihm sogar die Möglichkeit einiger Aufnahmesessions im Studio seines Bruders Brian Wilson, er wollte Charley sogar bei ihrem Label Brother Records unter Vertrag nehmen. Ein Deal der - rückblickend zum Glück - niemals zustande kam, da ihn Brian nicht leiden konnte. Trotzdem nahmen Brian und Carl Wilson zusammen mit Charley Material auf, das im Schatten der kommenden Ereignisse unveröffentlicht bleiben sollte.


Derweil hatten die Beach Boys selbst ganz andere Probleme. Sie hatten beschlossen ihren auslaufenden Vertrag mit Capitol Records nicht mehr zu verlängern, waren dem Label aber noch ein Album schuldig. Brian brauchte aber nach dem großen Misserfolg des Vorgängeralbums Friends (1968) dringend eine Auszeit und überließ dem Rest der Band die Produktion. 20/20 bestand aus alten Singles, unveröffentlichtes Material aus den Smile-Sessions von 1966/67 und einer Handvoll komplett neuer Nummern. Sie nahmen auch ein Lied auf das Charley geschrieben hatte, Cease to Exist, das sie später in Never Learn Not To Love umbauten, veröffentlichten es im Dezember 1968 als B-Seite der Single Bluebirds over the Mountain und im Februar 1969 als Extended Edition am Album. Die Beziehung zwischen Charley und den Wilsons wurde derweil zunehmend schlechter. Charley hatte eine Gruppe sehr verstörender Leute um sich geschart, die den Wilsons das Leben zur Hölle machten, sodass sie die Freundschaft beendeten.


Im Sommer 1969 kam für die Beach Boys und den Rest der Welt schließlich der große Schock. Ihr einstiger Freund Charles Manson und seine "Familie" hatten internationales Aufsehen erregt, als sie der kaltblütigen Ermordung von sieben Menschen überführt wurden. Als wäre das an sich nicht schon tragisch genug, bedeutete das für die Band, dass sich nun ein Werk in ihrem Repertoire befand, das von einem Monster geschaffen wurde! Und es kam noch schlimmer...





Am 6. März 1970 erschien auf dem englischen Label Awareness Records das Album Lie: The Love and Terror Cult von Charles Manson. Auf ihm enthalten war unter anderem Manson's Version von Cease To Exist. Zustande gekommen war das Album durch Musikproduzent Phil Kaufman, den Manson aus seiner Zeit im Gefängnis kannte und der sich 1968 im Dunstkreis der Manson-Familie aufhielt. Kaufman drängte Manson dazu seine Musik aufzunehmen. Er war auch einer von Wenigen die Manson aus der Untersuchungshaft anrief, um die Veröffentlichung klarzumachen. Als Cover wurde eine Verbalhornung des LIFE-Magazin-Covers von 1969 verwendet, das Manson's berühmten Mugshot zeigte.


Lie: The Love and Terror Cult stieß zunächst auf nur mäßiges Interesse, was auch die Verbindung mit den Beach Boys nicht groß änderte. Die Band selbst litt dennoch an den Folgen ihrer einstigen Freundschaft mit Manson. Sie galten eine Weile als Ausgestoßene, ihnen wurde sogar nachgesagt, sie seien mit der Manson-Familie im Bunde gewesen und hätten von den Morden gewusst. Die Sache war zum Glück bald vergessen, doch sollte sie für die Beach Boys noch das Geringste ihrer Probleme darstellen...


Die Aufnahmen aus Manson's Album wurden über die Jahre von zahlreichen Interpreten gesampelt oder gecovert, darunter Guns N' Roses, Rob Zombie und Zurück in die Zukunft-Darsteller Crispin Glover. 2007 veröffentliche Filmstudent Ryan Oksenberg vom School of the Art Institute of Chicago eine Dokumentation über die Zusammenarbeit von Manson und den Beach Boys:



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